Freitag, 18. Oktober 2013

Wortlose Kommunikation unter Hundeartigen?

Es war im Sommer, ungefähr im Juli. Unser Gassigang führte uns über einen Weg, der zwischen Weizenfeldern einen Bogen nahm. Als wir zwischen dem Getreide „um die Ecke“ bogen, sahen wir zwei Füchse. Ein kleinerer, ein Welpe aus dem letzten Frühling, schritt auf dem Feldweg voran, mit dem Rücken zu uns. Kurz dahinter sah man ein Alttier, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mutter. Nun habe ich mir beruflich schon das Verhalten vieler Füchse angeschaut. Doch zufällige Begegnungen sind oft sehr stark an Aussagekraft. So auch hier…
Juniorfuchs war so in seine Welt vertieft, dass er gemütlich vorantrabte, ohne die vermeintlichen Feinde in seinem Rücken, vielleicht 15 Meter entfernt, zu entdecken. Muttern war aber viel aufmerksamer. Sie drehte sich um, sah den Menschen mit seinen zwei Hunden. Sie stieß direkt einen Warnlaut aus, der an das Bellen eines Kleinhundes erinnerte. Direkt mit dem Erklingen des Warnlautes drehte sich Junior um, erblickte uns und blitzschnell verschwanden sowohl Mutter als auch Welpe in den Weizenfeldern.
Was so interessant an der Szenerie war? Es gibt ja heute Philosophien in der Hundeerziehung, die von „wortloser Kommunikation“ erzählen, und dass Hunde nur so kommunizieren würden. Füchse sind jetzt nicht direkt Hunde, gehören aber zur gleichen Tierfamilie und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte sich eine Hundemutter in ähnlicher Situation, mit plötzlich auftauchender, potentieller Gefahr, genauso lautstark verhalten wie Mama Fuchs.
Mama Fuchs, die den vorantrabenden Filius durch Lautgebung gewarnt hatte, so mit ihm kommuniziert hatte. Was hätte sie auch sonst machen sollen? Sich auf die Hinterbeine stellen, mit den Vorderpfoten herumfuchteln und Sichtzeichen geben? Hätte Sie ein Tänzchen aufführen sollen und den Weizen beschwören? Oder hätte sie gar umständlich zum Sohnemann rennen sollen um diesen anzurempeln und ihn dadurch auf die potenzielle Gefahr aufmerksam zu machen?
Signale über Laute werden bei Füchsen wie auch bei Hunden nicht nur in Notfallsituationen gezeigt. Knurren, bellen, fiepen, brummen – alles ganz normale Mittel etwas auszudrücken – Mittel der Kommunikation. Wir brauchen, um mit unseren Hunden zu kommunizieren deshalb auch nicht gleich zu bellen. Wenn ich meine Hunde, die gerade vorauslaufen, warnen möchte oder sie animieren, zu mir zu kommen, brauche ich nicht wie Mama Fuchs zu bellen. Zum Warnen reicht z. B. ein „Hey“ und für das Zurückkommen kann ich ein beliebig trainiertes Wort nutzen. Wort ist wieder unnatürlich? Gut, um sich zu finden, und sich zu rufen heulen Wölfe, heulen, bellen und/oder jaulen Hunde. Sicher, wir können, wenn wir am Feldrand stehen um unsere Hunde „zusammenzutrommeln“ auch heulen oder jaulen um „natürlicher“ zu sein. Ein Wort oder vielleicht ein Pfeifsignal, dessen Bedeutung wir dem Hund beigebracht haben, tut es aber auch. Ohne dass uns Passanten für heulende Irre halten…
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Lautgebung ein normales und probates Mittel der Kommunikation unter Hundeartigen ist. Und warum sollten wir dann stumm wie die Fische mit unseren Hunden kommunizieren? Weil einige Menschen Märchenerzähler sind? Mama Fuchs erzählt Ihrem Nachwuchs jedenfalls keine Märchen, sondern „sagt“, wenn nötig kurz und klar, was sie meint. Ein Tänzchen machen und den Weizen beschwören, nur um nichts zu „sagen“, hilft dem Welpen nicht, die Gefahr zu erkennen…
 PS - Sicher kommunizieren Hundeartige auch ohne Laute über Körpersprache und visuelle Signale. Aber eben nicht ausschließlich...