Sonntag, 24. November 2013

Artgerechte Pelztierhaltung?


Es gibt tatsächlich Menschen die behaupten, man könne Tiere, deren Pelze der Mensch für sich nutzen möchte, „artgerecht“ halten. Am besten kenne ich mich natürlich mit Hundeartigen aus, darum möchte ich einmal etwas vom natürlichen Leben eines Fuchses erzählen. Füchse sind für Hundeartige relativ häufig auf Achse. Sie schlagen selten große Beute wie etwa Wölfe, sondern ernähren sich von vielen kleinen Mahlzeiten am Tag. Das können kleine Säugetiere sein, aber auch Insekten oder auch pflanzliche Kost wie Beeren etc. Um Ihren Tagesbedarf an Nahrung zu decken durchwandern sie ihr Revier, täglich fünf bis sechs Stunden lang. Um ihre Beute und ihre Nahrung zu erhalten werden sie oft vor Probleme gestellt – Probleme die sie lösen müssen, die ihr Gehirn fordern. Bei aller Arbeit der Nahrungsbeschaffung regenerieren Füchse aber auch lang und ausgiebig – weit über 10 Tagesstunden werden in sicheren, abgeschlossenen Rückzugsorten (Höhlen, dichtes Gebüsch) ohne viele Außenreize verschlafen. Und, häufiger als man denkt, kommt es bei Füchsen auch zu sozialen Kontakten mit vertrauten, oft verwandten Artgenossen. Fremde Artgenossen werden allerdings meist gemieden oder vertrieben, bzw. der Versuch unternommen, sie zu vertreiben. Zur Sicherung des Territoriums, welches Überlebenswichtig ist. 5 bis 6 Stunden wandern und Probleme lösen, den Kopf anstrengen. Lange Zeit ausgiebig und ohne Belästigung ruhen, sowie ausgiebiges Sozialverhalten mit Artgenossen, die sich ein Individuum aussucht – oder ihnen auch aus dem Weg gehen kann. Das ist ein natürliches, ein artgerechtes Leben dieser Tierart. Wie bitte will man ein solches Leben einem Fuchs auf einer Pelzfarm bieten? Auf wenigen Quadratzentimetern in einem Käfig? Wie soll ein Fuchs dort sein auf Problemlösung ausgelegtes hochentwickeltes Säugetiergehirn beschäftigen? Mal mit einem Ball, welcher ihm lieblos in den Käfig geworfen wird?  Wie soll er mit hunderten weiterer Füchse und dem menschlichen Arbeitsbetrieb rundherum  seine ernsthaften Ruhephasen finden? Wie soll er in der Kiste seinen Bewegungsdrang, sein Bedürfnis nach langen Streifgängen ausleben? Geht mit jedem Fuchs ein Mitarbeiter 5 Stunden Gassi am Tag? Natürlich nicht – unter Artgerecht verstehen diese Pelzproduzenten einige Quadratzentimeter mehr Raum im Käfig, und mal einen Ball oder ein Spielzeug hineinwerfen. Das ist so, als wenn man eine Gefängniszelle für einen Menschen um einen Quadratmeter vergrößern würde und dem Insassen jeden Tag dasselbe Fernsehprogramm vorsetzen würde. Und der Fuchs „sitzt“ zudem noch vollkommen unschuldig in diesem Käfig. Es ist mir wirklich vollkommen unverständlich, wie ein halbwegs normaler Mensch auch nur im Ansatz auf die Idee kommen kann, man könne einem Fuchs ein „schönes“ oder nur im entferntesten der Art gerechtes leben in einem Käfig bieten. Dusselige Ausreden für ein blutiges Geschäft, welches nur dem Profit dient und mit keinerlei Notwendigkeit gerechtfertigt werden kann. Es geht nur um die Befriedigung von Eitelkeits- und Modebedürfnissen von Menschen. Von selbstsüchtigen Menschen ohne Herz und Mitgefühl.
 

Freitag, 18. Oktober 2013

Wortlose Kommunikation unter Hundeartigen?

Es war im Sommer, ungefähr im Juli. Unser Gassigang führte uns über einen Weg, der zwischen Weizenfeldern einen Bogen nahm. Als wir zwischen dem Getreide „um die Ecke“ bogen, sahen wir zwei Füchse. Ein kleinerer, ein Welpe aus dem letzten Frühling, schritt auf dem Feldweg voran, mit dem Rücken zu uns. Kurz dahinter sah man ein Alttier, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mutter. Nun habe ich mir beruflich schon das Verhalten vieler Füchse angeschaut. Doch zufällige Begegnungen sind oft sehr stark an Aussagekraft. So auch hier…
Juniorfuchs war so in seine Welt vertieft, dass er gemütlich vorantrabte, ohne die vermeintlichen Feinde in seinem Rücken, vielleicht 15 Meter entfernt, zu entdecken. Muttern war aber viel aufmerksamer. Sie drehte sich um, sah den Menschen mit seinen zwei Hunden. Sie stieß direkt einen Warnlaut aus, der an das Bellen eines Kleinhundes erinnerte. Direkt mit dem Erklingen des Warnlautes drehte sich Junior um, erblickte uns und blitzschnell verschwanden sowohl Mutter als auch Welpe in den Weizenfeldern.
Was so interessant an der Szenerie war? Es gibt ja heute Philosophien in der Hundeerziehung, die von „wortloser Kommunikation“ erzählen, und dass Hunde nur so kommunizieren würden. Füchse sind jetzt nicht direkt Hunde, gehören aber zur gleichen Tierfamilie und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte sich eine Hundemutter in ähnlicher Situation, mit plötzlich auftauchender, potentieller Gefahr, genauso lautstark verhalten wie Mama Fuchs.
Mama Fuchs, die den vorantrabenden Filius durch Lautgebung gewarnt hatte, so mit ihm kommuniziert hatte. Was hätte sie auch sonst machen sollen? Sich auf die Hinterbeine stellen, mit den Vorderpfoten herumfuchteln und Sichtzeichen geben? Hätte Sie ein Tänzchen aufführen sollen und den Weizen beschwören? Oder hätte sie gar umständlich zum Sohnemann rennen sollen um diesen anzurempeln und ihn dadurch auf die potenzielle Gefahr aufmerksam zu machen?
Signale über Laute werden bei Füchsen wie auch bei Hunden nicht nur in Notfallsituationen gezeigt. Knurren, bellen, fiepen, brummen – alles ganz normale Mittel etwas auszudrücken – Mittel der Kommunikation. Wir brauchen, um mit unseren Hunden zu kommunizieren deshalb auch nicht gleich zu bellen. Wenn ich meine Hunde, die gerade vorauslaufen, warnen möchte oder sie animieren, zu mir zu kommen, brauche ich nicht wie Mama Fuchs zu bellen. Zum Warnen reicht z. B. ein „Hey“ und für das Zurückkommen kann ich ein beliebig trainiertes Wort nutzen. Wort ist wieder unnatürlich? Gut, um sich zu finden, und sich zu rufen heulen Wölfe, heulen, bellen und/oder jaulen Hunde. Sicher, wir können, wenn wir am Feldrand stehen um unsere Hunde „zusammenzutrommeln“ auch heulen oder jaulen um „natürlicher“ zu sein. Ein Wort oder vielleicht ein Pfeifsignal, dessen Bedeutung wir dem Hund beigebracht haben, tut es aber auch. Ohne dass uns Passanten für heulende Irre halten…
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Lautgebung ein normales und probates Mittel der Kommunikation unter Hundeartigen ist. Und warum sollten wir dann stumm wie die Fische mit unseren Hunden kommunizieren? Weil einige Menschen Märchenerzähler sind? Mama Fuchs erzählt Ihrem Nachwuchs jedenfalls keine Märchen, sondern „sagt“, wenn nötig kurz und klar, was sie meint. Ein Tänzchen machen und den Weizen beschwören, nur um nichts zu „sagen“, hilft dem Welpen nicht, die Gefahr zu erkennen…
 PS - Sicher kommunizieren Hundeartige auch ohne Laute über Körpersprache und visuelle Signale. Aber eben nicht ausschließlich...

Sonntag, 6. Oktober 2013

Kopfsalat - Ist Hunde erziehen vermenschlichen?

CANISUND Kopfsalat beschäftigt sich mit Themen und Begriffen, zu denen wir keine absoluten Wahrheiten kennen. Wir möchten damit in einer Zeit, in der jeder nach der Vorgabe von Wahrheiten sucht und man mit Tipps zugeschüttet wird, einen Raum geben. Einen Raum, seine eigenen Antworten zu suchen. Man muss sie nicht immer finden…
Thema heute: Hundeerziehung – mit Schwerpunkt auf dem Wort „Erziehung“

Frage zum Anfang: Was heißt eigentlich Erziehung? Was ist Erziehung?

Ist Erziehung nicht ein anpassen menschlicher Wesen, in erster Linie Kinder, an kulturelle und politische Systeme?

Kennen Hunde Kultur oder Politik?

Können wir Hunde überhaupt erziehen?

Erziehen sich Hunde gegenseitig?

Lernen Hunde untereinander nicht nur einige Regeln kennen? Regeln, die das Überleben sichern. Ist das schon Erziehung?

Die sozialen Regeln unter Hunden sind in Nordkorea dieselben, wie in Deutschland.

Kennt ein in Nordkorea erzogener Mensch alle Regeln, die ein in Deutschland erzogener Mensch kennt?

Ist Hunde erziehen zu wollen, nicht eine Form von vermenschlichen?

Hunde lernen in Hundegruppen einige wenige, wichtige Regeln im Umgang miteinander. 100te Dinge und Verhaltensweisen können sie völlig frei entscheiden.

Hunde müssen beim Menschen 100te Regeln lernen. Was dürfen sie eigentlich frei entscheiden?

Kann sich ein nach menschlichen Maßstäben erzogener und gemaßregelter Hund, dem keinerlei Freiheiten zugestanden werden, überhaupt wohl fühlen?

Lebt ein so erzogener Hund oder existiert er nur?

Sind unerzogene Hunde automatisch gefährlich?

Sind erzogene Hunde, die mit allen Mitteln an eine bestimmte menschliche Kultur oder Verhaltensvorstellung angepasst werden, gefährlich?

Gezielte Hundeerziehung in der gesamten Gesellschaft gibt es wohl erst seit wenigen Jahrzehnten in den „reichen“ Ländern der Erde. Sind durch Hundeerziehung die Probleme Mensch/Hund geringer geworden?

Gibt es heute mehr Probleme als zu den Zeiten, als Hunde praktisch nicht erzogen wurden?

Leben Hunde erst seit 20 Jahren in Städten und müssen deshalb erzogen werden?

Gab es vor 20 Jahren keine Städte?

Müssen wir eigentlich erziehen, müssen wir Hunde in unsere kulturellen Formen pressen, mit allem Mitteln? Reicht es nicht, wie die letzten 15.000 Jahre, dass wir die Anpassungsfähigkeit von Mensch und Hund nutzen und sie sich lernend aneinander anpassen lassen? Reichen nicht einige klare Regeln – oder brauchen wir unbedingt 100te Verbote für unseren Seelenfrieden?

Wenn ein Hund, der durch schlechte Behandlung aggressiv wurde, durch Training wieder auf den „Friedenspfad“ gebracht wird. Was ist das dann? Erziehung, Umerziehung, Therapie?

Benutzen wir den Begriff „Erziehung“ nicht viel zu pauschal?

Benutzen wir den Begriff „Erziehung“ nicht inflationär?

Bedeutet „Erziehung“ nicht für jeden etwas anderes – auch begründet auf der eigenen moralischen und kulturellen Erziehung?

Wird der pauschale Begriff „Erziehung“ nicht für Philosophien missbraucht?

Frage zum Ende: Was heißt eigentlich Erziehung? Was ist Erziehung?

Dienstag, 1. Oktober 2013

Riepes Hundetalk für den Bürgermedienpreis gelistet


„Riepes Hundetalk“ ist in diesem Jahr für den Bürgermedienpreis der Landesmedienanstalt NRW gelistet. Wenn ihr möchtet, dass dieser Fernsehpreis an ein Format geht, “wo keine Hunde vorgeführt werden“, stimmt ab. Folgt einfach dem angehängten Link, drückt “Abstimmung starten“, klickt Euch über „Nächster Beitrag“ bis zum Hundetalk. Dann nur noch „für diesen Beitrag abstimmen“ J

Mittwoch, 21. August 2013

Sonntag, 23. Juni 2013

Hundeartige: Grenzen setzen untereinander...

Seit vielen Jahren widme ich der Tierfamilie der Hundeartigen meine besondere Aufmerksamkeit. Um die Mitglieder dieser Familie besser verstehen zu können besuche ich und beobachte ich sie gern und regelmäßig in ihrem natürlichen Lebensraum. Zur Familie der Hundeartigen gehören natürlich nach auch unsere Haushunde, die die domestizierte Form der Wildhundart Wolf sind. Und natürlich habe ich mir auch Wölfe und Haushunde in verschiedensten Lebensräumen „angeschaut“. Diese Beobachtungen haben mir persönlich weit mehr Erkenntnisse geliefert, als alle Theorien und „Weisheiten“, mit denen Hundehalter in allen Variationen konfrontiert werden. Ich möchte an dieser Stelle einmal ein spezielles Thema aufzeigen, dessen Deutung ich hier nicht vorgeben möchte, sondern dem Leser die Möglichkeit einräume, sich daraus ein eigenes Bild zu formen und im besten Fall einmal darüber nachzudenken, ob die bisherige Behandlung des eigenen Hundes bzw. ob das Verständnis des Hundes dem wirklichen Wesen dieser Tierart entspricht. Mit dem Thema, welche Freiheiten und welche Begrenzungen dem natürlichen Verhalten eines Hundes entsprechen.
Schauen wir uns dazu als erstes den Stammvater der Hunde, den Wolf an. Und schon hier werden wir feststellen, dass das allgemein verbreitete Bild vom Verhalten der Wölfe sich nicht mit meinen Erfahrungen deckt, aber auch nicht mit den Erfahrungen anderer Wolfsbeobachter, die Wölfe in ihrem natürlichen Lebensraum und in Freiheit beobachten konnten. Ich möchte hier nicht im Einzelnen und im Detail auf das komplette Sozialleben der Wölfe eingehen, weil dies für einen Artikel schlicht zu umfangreich wäre. Am Ende werde ich Ihnen aber Literaturhinweise geben, wo sie genaue Daten über den Wolf erfahren können - die auch den aktuellen Wissensstand wiederspiegeln.
Wölfe und Freiheiten
Kommen wir also an dieser Stelle zu einem Teilbereich des wölfischen Soziallebens. Zu den Grenzen und Beschränkungen, denen sich ein Wolf unterordnet, bzw. die ihm aufgelegt werden. Ein Wolf wird zurechtgewiesen, bzw. hat mit Zurechtweisung zu rechnen, wenn er einem anderen Mitglied der jeweiligen Familie eine Ressource (auch die Ressource Sexualpartner) streitig macht, bzw. wegnehmen möchte. Konkret heißt das, dass ein Individuum, welches sich z.B. ein Stück Nahrung gesichert hat, dieses gegen andere verteidigt und es nicht zulässt, dass ihm diese Nahrung weggenommen wird. In aller Regel wird die Ressource, hier die Nahrung, auch gegen Tiere verteidigt, die im Rang höher stehen. Auch wird ein guter Liegeplatz verteidigt und andere, die diesen Platz besetzen wollen, werden in ihrem Vorhaben begrenzt. Weiter werden Grenzen gesetzt in der sozialen Interaktion. Das heißt, wenn ein Tier im sozialen Kontext zu aufdringlich, bzw. zu robust agiert und es dem anderen unangenehm wird, wird die Handlung im Allgemeinen abgebrochen – meist durch ritualisierte körpersprachliche Mittel und max. Androhungen von Gewalt bis zu Remplern – in den seltensten Fällen allerdings mit ernsthaften Gewaltmitteln, falls die unangenehme Handlung nicht unterbrochen wird. Erwachsenen Wölfen werden also nur Grenzen gesetzt, wenn es um die Verteidigung von Nahrung oder anderen Ressourcen geht. Grundsätzlich niemals wird einem Wolf von irgendeinem anderen Mitglied der Familie, des Rudels, irgendetwas „verboten“, bzw. wird ein Rudelmitglied niemals zum Abbruch folgender Handlungen gezwungen: Entfernen von der Gruppe, selbstständig zu jagen, eigene Revierstreifzüge vorzunehmen oder Feinde in die Flucht zu schlagen. Grenzen werden also nur im direkten sozialen Kontext zwischen Individuen gesetzt – in allen anderen Tätigkeiten ist ein Wolf vollkommen frei. Er kann kommen und gehen wann er möchte, jagen so viel und so oft er möchte, sich hinlegen wo er möchte – solange der ausgesuchte Platz von keinem anderen Gruppenmitglied zur gleichen Zeit beansprucht wird. Nur Welpen werden von Eltern bzw. Babysittern daran gehindert, sich von der Gruppe zu entfernen – aus Sicherheitsgründen. Also, obwohl wir Menschen immer annehmen, dass Wölfe in einem absolut streng geregelten, hierarchischen System leben, können sie sehr frei entscheiden, was sie tun oder nicht – solange sie soziale Regeln im direkten Bezug zu den anderen Mitgliedern des sozialen Verbands einhalten.
Gut, ich spüre förmlich, wie viele Leser jetzt reflexartig denken, dass Hunde ja keine Wölfe mehr sind. Das ist natürlich richtig – aber auch falsch. Vereinfacht könnte man sagen, dass Haushunde Wölfe sind, die an den Lebensraum Mensch angepasst sind. Wie das im Einzelnen aussieht, kann man ebenfalls den Literaturhinweisen am Ende entnehmen.
Aber verlassen wir das Sozialleben der Wölfe und nähern uns den Haushunden an. Denn auch diese wurden „Opfer“ meiner Beobachtungen. Und da im Speziellen Haushunde, die noch in sehr ursprünglichem Verhältnis zu „ihren“ Menschen stehen. Wie z. B. Dorfhunde in Afrika.
Dorfhunde in Tansania
Also, nun zu den Grenzen und Beschränkungen denen sich ein afrikanischer Dorfhund unterordnet, bzw. die im auferlegt werden. Er wird zurechtgewiesen, bzw. hat mit Zurechtweisung zu rechnen, wenn er einem anderen Mitglied der jeweiligen Familie eine Ressource streitig macht, bzw. wegnehmen möchte. Konkret heißt das, dass ein Individuum, welches sich z.B. ein Stück Nahrung gesichert hat, dieses gegen andere verteidigt und es nicht zulässt, dass ihm diese Nahrung weggenommen wird. In aller Regel wird die Ressource, hier die Nahrung, auch gegen Tiere verteidigt, die im Rang höher stehen, aber auch gegen Menschen. Auch wird ein guter Liegeplatz verteidigt und andere, die diesen Platz besetzen wollen, werden in ihrem Vorhaben begrenzt. Weiter werden Grenzen gesetzt in der sozialen Interaktion. Das heißt, wenn ein Tier im sozialen Kontext zu aufdringlich, bzw. zu robust agiert und es dem Anderen unangenehm wird, wird die Handlung im Allgemeinen abgebrochen – meist durch ritualisierte körpersprachliche Mittel und max. Androhungen von Gewalt bis zu Remplern – in den seltensten Fällen allerdings mit ernsthaften Gewaltmitteln. Falls die unangenehme Handlung nicht unterbrochen wird. Erwachsenen Dorfhunden werden also nur Grenzen gesetzt, wenn es um die Verteidigung von Nahrung oder anderen Ressourcen geht. Grundsätzlich niemals wird einem Dorfhund von irgendeinem anderen Mitglied der Familie, der sozialen Gruppe, irgendetwas „verboten“, bzw. wird ein Gruppenmitglied niemals zum Abbruch folgender Handlungen gezwungen: Entfernen von der Gruppe, selbstständig zu jagen oder Nahrung zu sammeln, eigene Revierstreifzüge vorzunehmen oder Feinde in die Flucht zu schlagen. Grenzen werden also nur im direkten sozialen Kontext zwischen Individuen gesetzt – in allen anderen Tätigkeiten ist ein Dorfhund vollkommen frei. Er kann kommen und gehen wann er möchte, Ratten und Mäuse jagen so viel und so oft er möchte (aber natürlich keine Hühner oder andere Nutztiere, tun Dorfhunde aber von sich aus auch selten, weil diese zum sozialen Umfeld gehören), sich hinlegen wo er möchte – solange kein anderer im gleichen Moment den Platz beansprucht. Nur Welpen werden von Alttieren bzw. Babysittern daran gehindert, sich von der Gruppe zu entfernen – aus Sicherheitsgründen.
Das vorher beschriebene soziale Modell wird übrigens von allen Mitgliedern der sozialen Gruppe gleichermaßen akzeptiert und angewendet. Menschen und Hunden. Erziehung oder ähnliches kennen die Afrikaner, bei denen ich Hunde beobachten durfte nicht. Soziale Interaktionen mit Grenzen und Regeln – das war es. Mit sehr viel Freiheiten…
Also, obwohl wir Menschen immer annehmen, dass Hunde in einem absolut streng geregelten hierarchischen System leben, können Dorfhunde sehr frei entscheiden, was sie tun oder nicht – solange sie soziale Regeln im direkten Bezug zu den anderen Mitgliedern des sozialen Verbands einhalten.
Klingt wie eine Wiederholung des Wolfsabschnitts? Ist es auch, beschreibt aber auch das Sozialleben afrikanischer Dorfhunde…
Wenn ich jetzt noch weitere Beispiele der von mir persönlich beobachteten Hundeartigen, ob „wild“ oder domestiziert anführen würde, wäre die Gefahr von Wiederholungen erneut sehr groß. Denn auch bei domestizierten Ranchhunden, bei Dingos, Kojoten – aber auch Füchsen, ist das Verhältnis von Begrenzungen und Freiheiten ähnlich. Eigentlich sind die Begrenzungen überall sehr gering und nur im direkten sozialen Kontext, meist bezogen auf Ressourcen, zu sehen. Außerhalb des sozialen Rahmens gibt es praktisch keine Grenzen und Beschränkungen der einzelnen Individuen. Ich halte es auch für wichtig hier zu erwähnen, dass dieses Verhältnis von Begrenzungen und Freiheiten auch bei „modernen“ Hunderassen zu finden waren (und natürlich auch sind), also nicht nur bei ursprünglichen Dorfhunden in Afrika, sondern auch bei Ranch- und Bauernhunden in Amerika und Australien. Diese Hunde gehörten verschiedensten Rassen an. Bordercollies, Labradore, Münsterländer, Terrier aller Art und weitere eigentlich spezialisierte Hunderassen der heutigen Zeit. Interessant ist die Beobachtung, dass deren Verhalten im sozialen Bereich letztlich dem von Wölfen und ursprünglichen Hunden sehr ähnelt, solange der Mensch ihnen nicht von morgens bis abends vorschreibt, was sie nicht tun dürfen. Begrenzungen und Freiheiten der Ranch- und Bauernhunde entsprechen also im Wesentlichen den vorher beschriebenen Wölfen und auch Dorfhunden. Ebenfalls als interessant kann man die Feststellung interpretieren, dass von relativ frei lebenden Hunden so gut wie keine Aggressionen gegenüber Menschen zu verzeichnen sind – außer natürlich im Fall von Tollwut. Unerzogene, gesunde Dorfhunde aus Afrika beißen, laut Aussage der einheimischen Bevölkerung sehr selten – auf jeden Fall seltener als Hunde aus Deutschland, die eine umfangreiche Erziehung hinter sich haben. Ist daran vielleicht die Erzeihung an sich schuld? Oder die Methoden der Erziehung? Vielleicht sogar, wenn die Erziehung und die Methoden auf einem ganz anderen Bild, einer ganz anderen Ansicht des natürlichen Hundeverhaltens beruhen, als dem Bild, welches der Realität entspricht? Wenn man zum Beispiel die Hundeerziehung nur auf Begrenzung und Verboten aufbaut?
Nur eine Anregung zum Nachdenken
Dieser Artikel soll nicht als der Weisheit letzter Schluss gelten und alle Fragen der Problematik der „modernen“ Hundeerziehung ansprechen oder gar lösen. Ganz im Gegenteil. Mir ist natürlich vollkommen klar, dass wir in der heutigen Gesellschaft nicht ohne Grenzen und Verbote auskommen. Aber ich möchte hier aufzeigen, dass Hunde keine Lebewesen sind, die von Natur aus nur begrenzt werden und denen man keine Freiheiten zugestehen darf – weil sie dann nach Ansicht einiger „Hundeexperten“ gefährlich würden, die „Chefrolle“ anstreben würden oder ähnlichen Unfug. Diese Zeilen sollen Sie nur zum Nachdenken anregen, vielleicht einmal zu überdenken, ob Sie Ihren Hund, seine Veranlagungen und Bedürfnisse immer verstehen. Oder ob die Hundetrainer, die immer nur von Grenzen und Beschränkungen reden, wirklich recht haben. Machen Sie sich Gedanken und bilden Sie sich ihre eigene Meinung.
Hier konnte ich nur auf einen kleinen Teil des natürlichen Soziallebens der Hunde eingehen, werde das aber in folgenden Artikeln vertiefen. Dann möchte ich Ihnen auch näher bringen, wie man natürliche Freiheiten etc. im Hundealltag „simulieren“ kann – allerdings mit den Grenzen, die unsere Umwelt verlangt… 

Literaturtipps zu Grundlagen des Sozialverhaltens:

-       Veröffentlichungen von David Mech  http://www.npwrc.usgs.gov/staff/mech.htm

-       Hundeartige: Das Nachschlagewerk der Wild- und Haushunde von Thomas Riepe von Animal Learn Verlag

Montag, 3. Juni 2013

„Billigwelpen“ - wissen Menschen eigentlich, was dahintersteckt?

In erster Linie beschäftige ich mich in diesem Blog mit Themen, die mit der Hundeerziehung oder dem Umgang mit dem Lebewesen Hund an sich zu tun haben. Ich möchte erreichen, dass Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen mit Hunden arbeiten oder auch zusammenleben, viele Dinge differenzierter betrachten und möchte bezüglich des Umgangs mit dem Hund zum Nachdenken anregen. Bei dem Thema, das ich heute ansprechen möchte, bin ich mir eigentlich sehr sicher, dass die Leser dieses Blogs da weitgehend mit mir übereinstimmen. Weil die Leserschaft sich hauptsächlich aus Hundehaltern und Hundetrainern zusammensetzt, die grundsätzlich gut informiert sind, wenn auch manchmal unterschiedlicher Meinung in konkreten Fragen. Billigwelpen werden die informierten Leser dieses Blogs nicht befürworten, da bin ich mir sicher. Aber leider gibt es sehr viele Menschen, die mit dem Gedanken spielen sich einen Hund zuzulegen und nicht so gut informiert sind. Gerade die möchte dieser Artikel aber erreichen. Ich zähle daher auf alle Stammleser, dass sie bei der Verteilung mithelfen…
Gestresste Welpen und Mütter
An dieser Stelle möchte ich einige Worte zu Rassewelpen verlieren, die man für wenige hundert Euro (manchmal noch weniger) erwerben kann. In vielen Fällen werden diese Welpen in Großzuchtstätten geboren, die in Ländern liegen, die, drücken wir es vorsichtig aus, ein anderes Verhältnis zum Hund haben als wir in Mitteleuropa. Die Welpen werden dort als Ware, als Produkt angesehen, welches einen wirtschaftlichen Profit verspricht. So kommt es vor, dass Welpen in regelrechten „Produktionsstätten“ auf die Welt gebracht werden. Vielfach genügen diese Orte nicht einmal einfachsten, den Tieren wenigstens im Ansatz gerecht werdenden Standards. Mutterhunde werden als Gebährmaschinen missbraucht und werden bei jeder Läufigkeit belegt – was die Körper unglaublich belastet. Hündinnen sind körperlich von Natur aus eigentlich nur einmal jährlich in der Lage Nachwuchs auf die Welt zu bringen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Auch wenn sie, dank der Selektion durch Menschen, meist zweimal im Jahr empfängnisbereit sind. Zusätzlich zur körperlichen Überbelastung kommt, dass die Tiere in Zwingeranlagen eingepfercht sind, fast nie an die Luft kommen oder irgendeinen anderen, lebensnotwendigen Reiz bekommen. Die Mutterhündinnen vegetieren vor sich hin, ohne wichtige Elemente des Lebens, die Glück und Wohlbefinden hervorrufen. Stresshormone sind ständig im Körper, aber entgegenwirkende Stoffe der körpereigenen Biochemie können dank fehlender Stimulanz nicht gebildet werden. Die Muttertiere in diesen Massenzuchtstätten unterliegen also einem starken Stress. Einem Stress, dem letztlich auch die ungeborenen Welpen schon im Mutterleib ausgesetzt sind, weil Kreisläufe und Biochemie direkt miteinander verwoben sind. So kommen diese kleinen Lebewesen schon mit einem biochemischen Ungleichgewicht auf die Welt – dauerhafte Stressanfälligkeit und sehr viel Angst und Unsicherheit im gesamten späteren Leben sind meist die unausweichliche Folge. Zudem ist die Mutter auch vom Immunsystem her geschwächt, die Neugeborenen also auch. Krankheiten und Keime haben bei diesen schwachen Organismen eine größere Chance Fuß zu fassen und sich auszubreiten.
Viel zu früh der Mutter entrissen
 Und als wenn das noch nicht genug wäre, werden die Welpen dann noch ihrer Mutter entrissen und mit 4 oder 5 Wochen auf dem Markt verkauft. Die kleinen Lebewesen sind aber noch gar nicht in der Lage, ohne Ihre Mutter zu existieren, ihr kleines Gehirn kann noch nicht mit den vielen Eindrücken umgehen, die plötzlich, außerhalb ihres dunklen Verschlags, plötzlich auf sie einstürzen. Redende Menschen, Gezerre und unglaublich viele Außenreize. Und das alles ohne ihre Mutter, ihre einzige Konstante in dem jungen Leben, die zwar auch schwach und gestresst war, aber trotzdem wenigstens beruhigend auf die Welpen einwirken konnte. Die Welpen werden so in der normalen Entwicklung ihres Gehirns gehemmt, sie sind erneut stark gestresst – so stark, dass ihr Körper nicht in der Lage ist, sich anzupassen. Starker Stress schwächt das ohnehin angeschlagene Immunsystem noch mehr, Krankheiten haben noch leichteres Spiel. Was mit diesen Welpen aus diesen Massenzuchtstätten passiert ist furchtbar und der menschlichen Gesellschaft eigentlich unwürdig. Aber leider Realität. Diese Welpen werden dann, oft illegal, nach Mitteleuropa gebracht und dort billigst verkauft. Manchmal auf „Tiermärkten“ aus dem Kofferraum heraus, oft erreichen die Händler ihre Kunden auch über das Internet oder tun so, als wären die Welpen auf irgendeinem Bauernhof geboren worden. Der ganze Handel mit Welpen ist organisiert und ein ganz perfides Unterfangen. Ein Teil der Welpen aus solchen Quellen stirbt schon kurze Zeit, nachdem sie bei ihren neuen Besitzern sind. Diejenigen, die überleben, sind fast immer und ihr Leben lang mit vielen Problemen behaftet. Physisch und psychisch…
Schuld der Käufer?
Dabei wäre es wirklich ganz einfach, dieses Welpenelend zu beenden. Schlicht, indem niemand mehr einen solchen Welpen kauft. Das ganze System, alles was den Welpen, ihren Müttern - allen daran beteiligten Hunden angetan wird, wird nur dadurch ermöglicht, dass in Deutschland Menschen dazu bereit sind, Welpen für „kleines Geld“ zu erwerben.
Dies soll keinesfalls ein pauschaler Angriff auf Welpenerwerber sein, die aus Unwissenheit einen solchen Welpen bei sich aufgenommen haben. Aber wer dies gelesen hat, weiß etwas mehr und sollte dies bei jedem zukünftigen Hundewunsch berücksichtigen.
Aber es ist nun einmal so, dass letztlich der Markt für billige Welpen vom Käufer bestimmt wird. Gäbe es keine Käufer, gäbe es keine Massenzuchtstätten und keine leidenden Welpen. Darum meine bitte an alle die, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, einen Welpen zu erwerben. Im Interesse der kleinen, unschuldigen Lebewesen – machen Sie einen großen Bogen um Angebote von Billigwelpen. Für jeden Verkauften Hund werden mehrere nachgezüchtet – alles kleine Individuen, die entsetzlich leiden. Nachgezüchtet wird übrigens auch, wenn man einen dieser Welpen aus Mitleid erwirbt. Gesetze der Marktwirtschaft – Absatz fördert Produktion. Auch wenn die Worte „Absatz und Produktion“ in diesem Zusammenhang nicht wirklich schön sind…
Wenn Sie sich also einen Hund zulegen möchten, erkundigen Sie sich doch bei einem Tierschutzverein. Oder, wenn es denn unbedingt ein Welpe sein soll, suchen Sie sich einen Züchter aus, der transparent und überprüfbar züchtet, sowie den Welpen einen optimalen Start ins Leben ermöglicht.
Tierschutzhunde und seriöse Züchter
An dieser Stelle möchte ich gern erwähnen, dass ich persönlich immer Hunde aus dem Tierschutz bei mir aufnehme, es aber auch Züchter geben muss – wenn auch in einem ganz anderen Umfang als heute Realität ist. Welpen und Nachwuchs muss es natürlich geben, andernfalls würden Hunde schlicht aussterben. Es ist zudem ein Bedarf an Welpen da, ca. 500.000 wechseln jedes Jahr in Deutschland den Besitzer – und leider viel zu viele davon aus den angesprochenen Massenzuchten mit all dem Elend. Es wäre daher ein Fortschritt, wenn die Welpenkäufer auf seriöse Züchter zurückgreifen würden. Die gibt es natürlich und ich kenne persönlich einige, die nicht an den Profit denken, sondern aus Engagement und der Liebe zum Tier und auch zu einer speziellen Rasse, sehr viel Energie und Freude in kleine Zuchten stecken. Was ein seriöser Züchter ist, darauf werde ich in einem späteren Artikel in diesem Blog noch eingehen. Hier kann man aber schon feststellen, dass ein seriöser Züchter einen Hund nicht für einen „Discountpreis“ anbieten kann. Gute Ernährung, medizinische Versorgung und Vorsorge sowie die Zeit, Welpen behutsam auf das Leben vorzubereiten, aber auch ein tiergerechtes Umfeld haben ihren Preis. Wenn ich also einen Welpen suche, der bestmöglichst ins Leben gestartet ist, dann kann und darf ich keinen Billigwelpen zu mir holen. Zum einen werde ich mit einem solchen Welpen viele Probleme bekommen, die letztlich mehr Kosten verursachen, als ich am „Kaufpreis gespart“ habe. Zum anderen verursache ich mit dem Erwerb eines solchen Welpen unglaubliches Leid, weil es immer weitergeht und immer mehr arme Lebewesen „produziert“ werden.
Sumpf der Tierquälerei trockenlegen
Es gibt viele Wege, wie ein Hund seinen Weg zu uns Menschen findet. Wie erwähnt durch Tierschutzorganisationen (dazu gehören natürlich auch Tierheime) oder seriöse und transparente Züchter. Auf keinen Fall dürfen wir als verantwortungsbewusste Menschen aber diese „Züchter“ und Händler unterstützen, die nur an den Profit denken und das Lebewesen Hund als Ware betrachten. Deren Markt, dieser Sumpf aus Tierquälerei, muss trockengelegt werden. Das kann nur erreicht werden, indem ihre „Ware“ keinen Käufer mehr findet…
Sicher, bei mir steckt hier sicher mehr der Wunsch hinter dem Gedanken. Aber vielleicht kann ich hiermit ja den ein oder anderen potentiellen Welpenkäufer dazu bewegen, mit der Trockenlegung des Sumpfes zu beginnen.

Montag, 29. April 2013

Ist Lernen vielleicht mehr als Belohnung oder Strafe?

Immer wieder hört man, dass Hundeerziehung über Belohnung ja nur Konditionierung sei. Man dürfe aber nicht nur konditionieren, sondern müsse auch mal strafen, dem Hund zeigen wo es lang geht. Es fällt auf, dass Belohnung mit Konditionierung gleichgesetzt wird, Strafe nicht. Auffällig ist dabei, dass das Wort „konditionieren“ in dem Zusammenhang gern mit einer negativen Betonung belegt ist. Ich glaube dass man diese Aussage einmal näher betrachten sollte. Darum möchte ich Ihnen in Grundzügen erläutern, was man überhaupt unter Konditionierung versteht – und mit diesen Grundzügen vor allem den „normalen“ Hundehalter ansprechen, der in meinen Augen heute leider oft mit zu viel kompliziertem Input überfrachtet wird.
Klassische Konditionierung: Reiz - Reaktion
Klassische Konditionierung bedeutet (kurz gefasst), dass ein Individuum einem Reiz ausgesetzt wird, auf den der Körper mit einer bestimmten Reaktion reagiert. Z. B. nach dem Forscher Pawlow, bei dem ein Hund, der bei klingeln einer Glocke immer Futter bekommt und deshalb mit der körperlichen Reaktion "Speichelfluss" reagiert. Der Speichelfluss kommt später auch dann, wenn nur die Glocke erklingt und kein Futter gereicht wird. Das geschieht aber unbewusst, der Hund kann das nicht beeinflussen.
Operante Konditionierung: Handlung und Konsequenz
Und dann gibt es die operante Konditionierung – dort folgt auf eine Handlung eine Konsequenz.
Heißt also - ich mache etwas und muss darauf mit folgender Konsequenz rechnen. Das ist letztlich das, wonach Hunde heute ausgebildet, erzogen werden. Jetzt gibt es Richtungen, die bevorzugen bei der operanten Konditionierung die Konsequenz Belohnung. Wenn der Hund also etwas vom Menschen Erwünschtes macht, ist die Konsequenz, dass etwas folgt, was er als angenehm empfindet. Das kann Nahrung sein, aber auch das Reichen seines Lieblingsspielzeugs oder auch nur ein nettes Wort. Verstärken von erwünschtem Verhalten durch Belohnung. Das heißt, anders als bei der klassischen Konditionierung ist dem Hund hier bewusst, welche Konsequenz seine Handlung hat, er kann entscheiden, wie er sich weiterhin verhält.
Zu dieser operanten Konditionierung über Belohnung von erwünschtem Verhalten, gibt es die Form der Konditionierung über eine unangenehme Konsequenz bei unerwünschtem Verhalten. Unangenehm sind Schreckreize, Schmerzreize oder die Ankündigung von Schmerzreizen. Unangenehm ist aber auch, wenn man dem Hund etwas wegnimmt, was er als angenehm empfindet. Z. B. ein Spielzeug. Zusammengefasst nennt man unangenehme Konsequenzen Strafe.
Bestrafen oder Belohnen – beides ist eine Konsequenz
Okay, wenn ich also unerwünschtes Verhalten bestrafe, ist es genau so eine Konditionierung, wie die Konditionierung durch Belohnung. Es ist also vollkommen falsch, wenn Hundetrainer sagen, dass nur Belohnung konditionieren wäre. Werfen von Discs, Ketten, Rappelbüchsen, Rempeln, Schlagen etc. ist Konditionierung und nichts weiter.
In Der Hundefachwelt wird heute fast ausschließlich über Konditionierung gearbeitet. Von den "Wattebäuschen" ganz genau so wie von den "Hardlinern" - nur dass diejenigen, die mehrheitlich über Strafe konditionieren der Welt vorgaukeln, dass sie nicht konditionieren sondern über "Persönlichkeit" o. ä. die Hunde erziehen würden. Ob ich Verhalten über Lob oder Strafe beeinflusse. Wenn der Hund sich über die Konsequenz seiner Handlung im Klaren ist, dann ist es operante Konditionierung.
Im Hintergrund, sehr oft ohne dass Hundetrainer oder Hundehalter es wissen, wirkt aber auch die klassische Konditionierung. Wenn z. B. ein Hund, der aggressiv an der Leine auf Hunde reagiert mit einem unangenehmen bis schmerzhaften Leinenruck davon abgehalten werden soll. Dann wirkt oberflächlich operante Konditionierung - er weiß, wenn ich mich so verhalte, gibt es Schmerz. Aber, gleichzeitig wird auch klassisch konditioniert. Der Anblick des anderen Hundes (Reiz) ruft dann später die körperliche Reaktion Schmerz hervor, auch ohne das Leinenrucken. Was einem Hund die Begegnung mit einem anderen Hund nicht angenehmer macht...
Aufgrund der operanten Konditionierung mit dem Wissen um die negative Konsequenz wenn er sich gegen den Schmerz und den falsch verknüpften Hund wehrt, wird er sich ggf. eine Weile danach richten. Er spürt aber den Schmerz, selbst wenn er sich „richtig“ verhält. Der Körper gerät in Stress. Es kann dann so sein, dass der Hund zwar friedlich an anderen Hunde vorbeigeht, dabei aber stark gestresst ist - dauerhaft mit oft gravierenden Folgen (Unterdrückter Aggression und möglicher Entladung, schlechtes Allgemeinbefinden durch zu viel und zu lange andauernden Stress etc.).
Konditionierung über Strafe muss ständig „aufgefrischt“ werden
Zudem ist es inzwischen recht gut empirisch unterfüttert, dass Konditionierung über Strafe weniger gut abgespeichert wird - dass heißt, die Konsequenz der operanten Konditionierung verblasst mit der Zeit - man also immer wieder bestrafen muss, um die Wirkung aufrecht zu erhalten (also noch mehr Stress, Schmerz etc.).
Eine operante Konditionierung über Belohnung wirkt dagegen länger und nachhaltiger und muss, wenn einmal erlernt, nicht so oft wiederholt und aufgefrischt werden.
Also, Hundeerziehung, wie sie heute mehrheitlich abläuft ist Konditionierung. Hundetrainer, die in erster Linie über Strafe konditionieren sind keine „Rudelführer“ oder arbeiten mit „Persönlichkeit“ – sie konditionieren und nichts weiter. Sie verkaufen sich nur anders. 
Konditionierung nur ein kleiner Teil des Lernens
Wenn man auch speziell im Hundebereich den Eindruck gewinnen kann, dass sich das Lernen, und somit die Erziehung des Hundes in erster Linie um Konditionierung – um Belohnung oder Strafe dreht. Dann sollte man sich vor Augen führen, dass das nur ein kleiner Bestandteil des Lernens ist. Konditionierung ist nämlich ein Bestandteil des Behaviorismus. Einer der Theorien, mit denen der Mensch versucht, das Lernen zu verstehen. Es gibt aber noch weitere Lerntheorien, die das Lernen z. B. durch Lernen am Modell, durch Einsicht, durch Entwicklungsstufen oder auch durch das Kreieren einer eigenen Wirklichkeit erklären.
Die Wissenschaftler, die sich mit Lernen beschäftigen, sind sich heute weitgehend einig, dass alle Lerntheorien ihre Berechtigung haben und das Lernen eine Mischung aus diesen Theorien ist. Lernen ist also nach aktuellem Wissensstand weit mehr als konditionieren durch Lob oder Strafe.
Vorbilder formen ein Lebewesen
Eine der wichtigsten Formen ist dabei wohl das Lernen am Modell, was heißt, dass ich mein Verhalten in erster Linie daran ausrichte, wie sich Vorbilder verhalten. Verhalten sich die Eltern eines Kindes z. B. ständig aggressiv, laufen ständig über rote Ampeln, rempeln andere Menschen an und lassen jegliche Formen guten Benehmens vermissen, kann man davon ausgehen, dass sich die Kinder ähnlich verhalten, weil sich die Vorbilder so verhalten. Leben die Eltern dagegen ein ausgeglichenes Leben vor und verhalten sich freundlich zu anderen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kinder das Verhalten imitieren. Vorleben ist ein ganz wichtiger Teil bei der Erziehung von Kindern und nimmt einen viel größeren Raum ein, als Strafen oder Belohnen.
Genau so ist es auch bei der Hundeerziehung. Lebt der Hundehalter dem Hund Ausgeglichenheit und den freundlichen Umgang miteinander vor, ist das ein sehr wichtiger Teil der Hundeerziehung.
Natürlich hat auch Konditionierung ihren Anteil an Erziehung, am Lernen. Aber sie ist eben nur ein Teil davon. Das vergessen wir in der Hundeerziehung leider viel zu oft.

Mittwoch, 17. April 2013

Durchsuchung im Zusammenhang mit „Napfvideo“

Im Dezember 2012 sorgte ein Video im Internet für Aufsehen, welches zeigt, wie ein Hund während eines Trainings mit einem Futternapf an den Kopf geschlagen wird. CANISUND hat darüber ausführlich berichtet:
 
Diverse Anzeigen gegen die im Video gezeigten Personen waren die Folge.
 
Besorgte Hundefreunde
 
Da das Thema inzwischen weitgehend  aus der medialen Betrachtung verschwunden ist, fragen besorgte Hundehalter, Hundetrainer und auch Hundeliebhaber häufig bei der CANISUND-Redaktion nach, ob das „Thema“ langsam unter den Tisch fallen würde.
Durchsuchung und Sicherung von Beweismitteln
Zusätzlich zu den besorgten Nachfragen wurde uns auch ein Gerücht zugetragen, dass im Zusammenhang mit dem Vorfall eine behördliche Durchsuchung  durchgeführt worden sei. Um diesem Gerücht nachzugehen, und um die besorgten Hundefreunde auf dem Laufenden zu halten, hat CANISUND bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Kiel nachgefragt. Dort wurde uns von Oberstaatsanwalt Ingo Plewka bestätigt, dass im März eine Durchsuchung stattgefunden hat, bei der Videomaterial und weitere Beweismittel gesichert wurden. Dieses Material wird zurzeit ausgewertet.
Mehr kann uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, weil noch keine abschließende Bewertung vorliegt und ob es letztlich zu einer Anklage oder einem Strafbefehl kommen wird. Die Geschichte ist aber noch nicht unter den Tisch gefallen und wird behördlich bearbeitet. CANISUND wird seine Leser auf dem Laufenden halten.

Dienstag, 16. April 2013

Rasse oder Erziehung – Was macht Hunde gefährlich?

Wenn man es nüchtern betrachtet, kann eigentlich jeder Hund gefährlich sein. Jeder Hund hat von seinen Vorfahren das angeborene Verhalten geerbt, Tiere zu töten um sich zu ernähren und seine Existenz zu sichern. Jeder Hund hat eine mehr oder minder starke Territorialität geerbt, die von Natur aus sicher stellen soll, dass das Lebensnotwendige Revier gesichert werden kann.  

„Waffen“ vorhanden… 

Um sich also zu ernähren und sich, sein Revier und die Familienmitglieder zu schützen, hat die Evolution Hunde mit Waffen ausgestattet, die für andere Lebewesen gefährlich werden können. Wie gefährlich, dass liegt natürlich in erster Linie an den körperlichen Attributen einer Hunderasse oder eines Hundeindividuums. So kann ein Chihuahua natürlich nicht das Leben eines erwachsenen Menschen bedrohen, ein Rottweiler aufgrund seiner Größe und Kräfte allerdings schon. Also kann man sicher festhalten, dass ein Rottweiler für einen Menschen gefährlicher sein kann, als ein Chihuahua. Doch sind Rottweiler, oder andere Hunderassen, die Menschen pauschal für gefährlich halten, auch wirklich alle grundsätzlich gefährlich? Natürlich nicht. Zwar kann kein vernünftiger Mensch leugnen, dass unterschiedliche Eigenschaften bei Hunden durch Zucht und Selektion auch unterschiedlich stark ausgeprägt sind.  

Alle Hunde gleich? 

So wurde die angeborene Territorialität bei Wachhunden durch den Menschen für seine Zwecke gesteigert oder der Jagdtrieb bei Jagdhunden zum menschlichen Nutzen gefördert. Und ganz sicher haben Menschen in früheren Zeit die Territorialität und das distanzierte Verhältnis von Wölfen zu Artgenossen, die als Nahrungskonkurrenten gesehen werden, in so weit gesteigert, um sie in Hundekämpfen zu missbrauchen. Durch die vielfältige „Nutzung“ der Hunde durch die Menschen kann man also nicht guten Gewissens behaupten, dass alle Hunde gleich seien. Man kann aber guten Gewissens sagen, dass alle heutigen Hunderassen, die von seriösen Zuchtverbänden anerkannt werden und von seriösen Züchtern gezüchtet werden, niemals auf Aggressivität Menschen gegenüber selektiert werden. Im Gegenteil, auch bei so genannten „Kampfhunden“ führt eine gesteigerte Aggressivität heute zum Zuchtausschluss des jeweiligen Individuums. 

Aggressivität anerzogen 

Allerdings ist nicht nur die genetische Disposition, die Veranlagung eines Lebewesens, für Aggressivität verantwortlich. Die meisten Hunde, die eine gesteigerte Aggressivität zeigen und die ich in meinem Berufsleben treffe, wurden von Menschen zu der Aggressivität „erzogen“. Das heißt, sie wurden mit Methoden ausgebildet, die ihnen Schmerz bereiteten und ihnen Angst machten. Sie wurden in emotional ausweglose Situationen manövriert, aus denen sie nur den gewaltsamen Ausweg fanden, der dann wieder mit Gewalt beantwortet wurde. Eine Aggressions- und Gewaltspirale begann…

Bei Hunden, die mit solchen Methoden „behandelt“ werden, ist es völlig egal, welcher Rasse sie angehören – sie sind alle gefährlicher als Hunde, die mit Verständnis und Verstand ausgebildet wurden. Aber nicht nur der Umgang mit dem Hund in der Ausbildung ist eine wichtige Voraussetzung für die Gefährlichkeit, oder die „Nichtgefährlichkeit“ eines Hundes. Auch wie und wo der Hund geboren wird, welche Erfahrungen er in den prägenden ersten Lebenswochen macht, spielen eine entscheidende Rolle, wie sich das Individuum entwickelt.  

Schaut man sich nun die vorher genannten Punkte an, fällt es sicher schwer, eine Hunderasse als gefährlich einzustufen. Sicher spielen rassetypische Faktoren eine Rolle bei der Entwicklung eines Hundes, gefährlich wird ein Hund aber eher durch die Menschen, mit denen er zu tun hat. Wenn man mich daher fragen würde, ob ich einen Rottweiler oder einen Bernhardiner für gefährlicher hielte, könnte ich darauf keine Antwort geben. Wenn der Bernhardiner z. B. mit Gewalt und Schlägen „ausgebildet“ worden wäre, und der Rottweiler in einer fürsorglichen Familie leben würde, hätte ich mehr bedenken, mich dem Bernhardiner zu nähern. 

Faktor Mensch 

Ob Hunde gefährlich für ihre Umwelt sind hängt also von vielen Faktoren ab – in erster Linie aber vom Faktor Mensch und dessen Umgang mit dem Hund. Einzelne Rassen pauschal als gefährlich einzustufen ist demnach mehr als fragwürdig und hat sich in Deutschland auch als nicht effektiv herausgestellt, wenn es um die Verhinderung von Beißunfällen geht. Diese Unfälle könnten nach meiner Meinung eher durch bessere Informationsmöglichkeiten für Hundebesitzer verhindert werden. 

Um demzufolge zur Frage zurückzukommen, warum Hunde gefährlich werden können. Die meisten gefährlichen Hunde wurden vom Menschen dazu gemacht…

Montag, 8. April 2013

Die „verrückte“ Hundeszene – Serie im CANISUND

Es ist schon verrückt, was von Menschen heute rund um die Hunde veranstaltet wird. Es wird sich gestritten, oft weit unter der Gürtellinie, welcher Umgang mit den Hunden, welche Erziehungsphilosophie den nun die richtige, die „einzig Wahre“ sei. Nicht selten werden dabei wissenschaftliche Erkenntnisse so interpretiert, dass sie für die eigene Philosophie passend gemacht werden. Aktuelle Studien werden mit uralten Sichtweisen vermischt und neu aufbereitet, um doch wieder das zu predigen, was schon vor vielen Jahren bedenklich war. Einige Experten werden hochgejubelt, andersdenkende werden gnadenlos niedergemacht. Ob es sich um Hundeerziehung, Hundehaltung im Allgemeinen, Ernährung und Gesundheit dreht. Die Zahl der absoluten Wahrheiten steigt täglich. Die „Hundeszene“ wird zu einem immer größeren Chaos. Die Frage, die sich dabei stellt ist die, ob der Hund darin noch den Platz einnimmt, den er eigentlich verdient. Dreht sich die krampfhafte Suche nach Wahrheiten rund um Hunde wirklich noch um Hunde, oder kompensiert diese Szene sämtliche Probleme der menschlichen Gesellschaft? Wird in der Szene der Hund dazu benutzt, das menschliche Bedürfnis Konflikte auszutragen, auf seinen Schultern zu tragen? Sind Hunde gar besser dran, wenn sie bei Menschen leben, die sich nicht innerhalb dieser Hundeszene bewegen? Menschen, die noch intuitiv mit einem Lebewesen umgehen, ohne Philosophien nachzujagen?
Fragen über Fragen zum Thema Mensch und Hund, deren Antworten den „normalen“ Hundehalter genauso überfordern wie den Hund.
CANISUND hat sich vorgenommen, ab der Septemberausgabe dieses Thema näher zu durchleuchten – um wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten, dass sich die Darsteller dieser Szene nicht mehr zu wichtig nehmen und vielleicht wieder etwas Entspannung einkehrt.
Im ersten Teil der Serie werden wir uns mit den soziologischen Mechanismen einer Szene beschäftigen – und wir sind sicher, dass viele Leser überrascht sein werden, wie leicht man ein Teil dieser Mechanismen wird…
Serie: „Die Hundeszene – Selbstgerechtigkeit und Chaos. Eine Analyse und die Frage, ob sich der Hund dort wohlfühlen kann…“ 
Ab September im CANISUND.
Sichern Sie sich schon jetzt ein ABO, damit Sie die Serie nicht verpassen…
 

Sonntag, 31. März 2013

Neue Hundetrainerdatenbank von Universität und Verbänden entwickelt

Wenn auch einige nach der Universität Steinwar gegoogelt haben - der Artikel ist nur ein APRILscherz. Obwohl in der Hundeszene vieles möglich ist ;-)

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Die Anzahl der professionellen Hundetrainer ist groß und unübersichtlich geworden. Und nicht nur die Zahl der Trainer und aller anderen Profis im Hundebereich ist für den Hundehalter kaum noch zu überblicken. Auch die Methoden und Philosophien verwirren heute mehr, als sie hilfreich sind. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen hat die Universität Steinwar in Zusammenarbeit mit mehreren Verbänden von Hundeprofis eine statistische Datenbank entwickelt, die dem Hundehalter bei der Auswahl des passenden Hundeprofis hilft. Hundetrainer müssen sich in der Datenbank anmelden. Damit geben sie ihr Einverständnis, dass dort Daten über sie gesammelt werden. In der Datenbank werden alle (überprüften) Daten der Personen, Hundeschulen etc. gespeichert. Neben den üblichen Daten (Qualifizierung, Fortbildung, Berufserfahrung) werden viele weitere Daten gesammelt.
Alles, was mit Hunden zu tun hat kann der Universität und der Datenbank mitgeteilt werden. Wie oft ein Hund gelobt wird, wenn er laut angesprochen wurde, wenn er mit Leckerchen vollgestopft wurde, wenn mehr als dreimal am Tag geklickert wurde, wenn er unfreundlich angesprochen wird – jede Handlung eines Trainers die im Zusammenhang mit Hunden gesehen wurde, kann in die Datenbank einfließen. Selbst scheinbar unwichtige Dinge werden registriert. Wenn zum Beispiel ein scheinbar gewaltfrei arbeitender Profi ein Buch einer anderen Richtung liest, aber auch wenn man „unangemessen“ mit seinem eigenen Hund spricht – also z. B. auch mal freundlich ohne Befehl. Die professionell mit Hunden arbeitenden Menschen werden so praktisch „gläsern“ – Geheimnisse in ihren Einstellungen, Methoden und Handlungen werden geringer bis unmöglich.
Die in 4 Jahren entwickelte Datenbank sammelt die Daten und ordnet die Trainer dann in Kategorien, die dem Hundehalter eine Vorauswahl ermöglichen. Die extremen Kategorien sind W und H. Unter Kategorie W finden sich sehr weich arbeitende Hundefachleute. Unter H sehr harte Vertreter der Zunft. Zwischen W und H gibt es noch 17 weitere Kategorien, von M (mittelweich) über MH (mittelhart) bis z. B. OH (oft hart) oder OHM, OWH, WOH, WAU usw.
Zusätzlich zu der Einteilung der Trainer können Hundehalter Abfragemasken ausfüllen. Mit ihren persönlichen Vorlieben bzgl. Hundeerziehung und Lebenswandel. Laut Professor L. Baron von der Universität kann man das mit einem Datingportal vergleichen, wo passende Menschen zusammenfinden. Hier sollen aber nicht Lebenspartner zusammenfinden, sondern Hundehalter und passende Hundeprofis, die ähnliche Grundeinstellungen dem Tier gegenüber haben. Laut Professor Baron wurde die Entwicklung der Datenbank im Entwicklungszeitraum geheim gehalten, weil man in der uneinigen „Hundeszene“ Blockaden des Projekts befürchtete. Jetzt ist die Datenbank einsatzbereit. „Und nun nehmen wir den Hundehaltern das Denken vollständig ab und werden mit der Macht der Daten einen Beitrag leisten, Hundeerziehung aus der Gefühlswelt in die unbestechliche Datenwelt zu integrieren“, sagt Professor Baron.
Canisund hat auf die Pressemitteilung der Universität Steinwar nachgefragt, ob diese denn davon ausgehen würde, dass sich überhaupt Trainer in dieser Datenbank registrieren lassen würden. Wir wurden von dort an einen der beteiligten Verbände verwiesen, wo uns der Pressesprecher W. Bold die Auskunft gab, dass es bereits Gespräche mit den zuständigen Behörden gäbe, um die Anmeldung in der Datenbank rechtlich bindend als Berufsvoraussetzung zu etablieren. Laut W. Bold wird es sich in diese Richtung entwickeln. Hundehalter können also aufatmen. Bald ist das Chaos beseitigt, die Suche nach einer passenden Hundeschule wird durch Bits und Bites zum Kinderspiel. Schöne neue Welt…

Dienstag, 19. Februar 2013

LaLaLächerlichkeiten der Hundeszene?

Mit diesem Beitrag möchte ich mich einmal einem speziellen Thema widmen, welches meiner Meinung nach ein gutes Beispiel für Missverständnisse in der Hundeszene darstellt – aufgrund vorschneller Urteile und mangelnder Informationen.
Doch um mich dem eigentlichen Thema anzunähern muss ich zum besseren Verständnis erst einmal grundlegende Sachverhalte erläutern – noch nicht im direkten Zusammenhang mit der Kernaussage des Artikels. Ich bemühe mich dabei, die Erläuterungen so verständlich wie möglich zu halten – um keine Verwirrung zu stiften und jedem „normalen“ Hundehalter die Gelegenheit zu geben, sich in Grundzügen sachlich zu informieren.
 
Intermediäre Brücke
 
Grundlage ist die sogenannte „intermediäre Brücke“. Einfach ausgedrückt ist das eine verbale Überbrückung während ein Lebewesen auf dem Weg ist etwas richtig zu machen oder ein Ziel zu erreichen. Das ist das gleiche Prinzip wie bei den Spielen die wohl jeder von uns in der Kindheit gespielt hat. Die Spiele, wo man z. B. mit verbundenen Augen in die Richtung eines Zieles dirigiert wurde. War man auf dem richtigen Weg wurde „heiß, heiß, heiß…“ gesagt, begab man sich auf den falschen Weg wurde die Euphorie durch „kalt, kalt, kalt…“ gebremst. Schnell haben wir als Kinder gelernt, dass „heiß, heiß…“ bedeutete, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wir in Kürze unser Ziel erreichen. Wir fühlten uns beim erklingen von „heiß“ in dem Zusammenhang besser, als wenn wir „kalt“ hörten. Das hat etwas damit zu tun, dass wir, aber auch unser Körper und die damit verbundene Ausschüttung bestimmter Hormone, die uns gut fühlen lassen, auf diese Wortbrücke reagierten. Wir haben bewusst, aber auch unterbewusst gelernt, was „heiß“ (in dem Zusammenhang!) bedeutet.
Diese Verbale Brücke gibt es im normalen Leben häufiger als man denkt – sie ist eigentlich ganz profaner Bestandteil des Lebens und des Lernens. Jemand sucht zum Beispiel etwas, was vielleicht im hohen Gras schwer zu finden ist (vielleicht einen Ball, ein Werkzeug, was auch immer). Ein anderer sieht von einer weiter entfernten, erhöhten Position aber genau, wo das Objekt liegt. Dieser dirigiert jetzt den Suchenden über „da, da, weiter, weiter, links, da, da“, kombiniert mit Fingerzeigen, zum Objekt. Auch das ist eine verbale Brücke auf dem Weg etwas Richtiges zu tun. Auf dem Weg, ein Ziel zu erreichen. Wichtig ist dabei nur, dass man vorher gelernt hat, was die Worte bedeuten.
Gut, man kann also ganz nüchtern festhalten, dass man verbal eine Brücke bauen kann, um einem Menschen, aber auch einem Hund aufzuzeigen, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. Oder die Situation, in der er sich befindet, bald endet. Das halten wir so erst einmal fest.
 
Übertreibungen der Hundeszene
 
Diese intermediäre Brücke kann bei der Hundeerziehung, aber auch bei Schwierigkeiten mit dem Hund in verschiedensten Ausführungen, wertvolle Dienste leisten. Beispiele dazu gebe ich später noch.
Jetzt neigt allerdings die Menschenszene rund um Hunde gerne dazu, alles zu übertreiben. Ich möchte das hier gar nicht an „Erziehungsphilosophien“ festmachen. Es kommt aber nicht selten vor, dass Hundetrainer, Hundehalter usw. so etwas wie die intermediäre Brücke für sich entdecken und diese dann als spezielle Trainingsmethode übertrieben propagieren und auch einsetzen. So kommt es vor, dass man diese verbale Brücke baut, wenn man dem Hund z. B. Tabletten geben möchte. Vielleicht ein Antibiotikum welches der Hund einige Tage einmal am Tag verabreicht bekommt. Dafür also während der Tablettengabe irgendeine verbale Brücke baut, eine Unterstützung gibt, dass das unangenehme Schlucken der Tablette bald beendet wird. Und entscheidet sich für ein bereits erlerntes „la, la, la…“, welches wie vorher beschrieben ein Wohlgefühl im Hund auslöst und ihm vermittelt, dass er kurz durchhalten muss, bis das Unangenehme beendet ist. „Für eine Tablette am Tag so ein Aufwand?“ Wird sich jetzt mancher fragen. Und in meinen Augen durchaus berechtigt. Wie ich später aufzeigen möchte kann diese Brücke ein guter Helfer sein  - aber eine Tablette einige Tage? Die bekomme ich auch anders „in den Hund“. Unters Futter mischen, in Wurst einwickeln etc. Ich kann durchaus verstehen, dass es „lalalächerlich“ wirkt, wenn einem Hund z. B. in einem Video eine Tablette mit „lalala“ verabreicht wird. Doch das gehört zu den erwähnten Übertreibungen, die sich meiner Meinung nach in der Hundeszene in alle Richtungen breit machen. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Warum dem Hund nicht heimlich die Tablette unterjubeln, wo ich doch so schön die komplizierte Methode gelernt habe ;-) 
 
Halt! Alle Freunde der Brücke. Noch nicht aufregen. Ist nur ein Zwischenfazit.
 
Ungerechte, einseitige und pauschale Lustigmacherei
 
Diese Übertreibung beim Einsatz der verbalen Brücke. Dieses ohne weitere Informationen veröffentlichte Videomaterial sorgt allerdings im Internet immer wieder für Heiterkeit. Für Heiterkeit bei Menschen, die die Zusammenhänge nicht kennen – aber auch bei Menschen die im unsagbaren „Kampf der Philosophien“ gerne andere verunglimpfen wollen. Diejenigen, die nicht verstehen, worum es bei „lalala“ und Tablettengabe geht, kann ich sogar noch verstehen. Die Verunglimpfer aus Fachkreisen dagegen nicht wirklich. Da gehen die Rechthaberei und der Dogmatismus auf Kosten der Hunde. Etwas einseitig und pauschal lächerlich darzustellen, und dabei einige wichtige Informationen oder auch nur Interpretationsmöglichkeiten vorzuenthalten, ist nicht die feine Art. Nach meiner ganz persönlichen Einschätzung.
 
Hilfsmittel bei chronische Krankheiten
 
Dem Hund durch eine verbale Brücke (die Entspannung fördert und positiv auf seine Gefühlswelt wirkt) eine unangenehme Situation zu erleichtern ist nämlich spätestens in folgenden Fällen nicht mehr lächerlich.
Denken Sie ganz einfach an einen Hund, der an Diabetes erkrankt ist und mehrfach am Tag eine Injektion bekommen muss. Was ist daran lächerlich, ihm diese unangenehme Notwendigkeit etwas zu erleichtern?
Oder der Hund, der eine chronische Ohrenentzündung hat und auf lange Zeit unangenehme bis schmerzhafte Ohrenbehandlungen über sich ergehen lassen muss? Oder Hunde, die aus anderen Gründen Furcht vor diversen Dingen oder Situationen (z. B. Tierarztbehandlung) haben? Warum sollte ich bei diesen Hunden diese Furcht nicht lindern? Nur weil es für Uninformierte oder Berufszyniker lächerlich wirkt, wenn ich meinem Hund während ich die Spritze gebe sage, „gleich fertig, gleich fertig…“? Wäre mir, wenn ich einen Hund mit Diabetes oder einer anderen chronischen Erkrankung hätte, völlig egal…
 
Gutes Werkzeug, pauschal nicht lalalächerlich und auch kein Wundermittel
 
Diese sogenannte „Intermediäre Brücke“ kann also ein gutes Hilfsmittel in bestimmten Situationen sein, bei bestimmten Problemen. Dabei verzichte ich hier ganz bewusst auf die Erläuterung weiterer Einsatzmöglichkeiten (z. B. Rückruf), weil ich mich hier auf die genannten Fälle beschränken möchte. Ein gutes Hilfsmittel, ein wichtiges Werkzeug für jeden der professionell mit Hunden arbeitet. Vor allem bei Hunden, die z. B. Krankheitsbedingt regelmäßig unangenehmen Situationen ausgesetzt sind. Wird dieses Hilfsmittel aber inflationär in vergleichbar einfachen Situationen eingesetzt, praktisch als Wundermittel – sehe ich persönlich die Sache auch etwas kritisch. Etwas Pragmatismus, etwas Entspannung und etwas weniger danach streben, andere lächerlich zu machen, würde der Hundeszene sicher gut tun. Oder besser: Den Hunden und den „normalen“ Menschen gut tun…

Donnerstag, 14. Februar 2013

Der Stand der Dinge...

In den letzten Tagen erreichten unsere Redaktion diverse Anfragen, ob wir als Presse einen „Stand der Dinge“ bzgl. einer Sachlage bekanntgeben könnten. Die Nachfragen bezogen sich auf ein Video, wo ein Hund mit einem Futternapf geschlagen wird, welches vor Weihnachten für Empörung bei vielen Menschen sorgte. In den Anfragen zeigten sich die Leser besorgt, dass die Sache „unter den Tisch fallen“ könnte. In dem Punkt können wir sicher beruhigen. CANISUND hat sich mit der zuständigen Staatsanwaltschaft, bei der Anzeigen gegen die Darsteller des Videos eingegangen sind, in Verbindung gesetzt. Dort wurde uns mitgeteilt, dass man zur Zeit damit beschäftigt ist, die Anzeigen zu prüfen, Gutachten erstellen lässt etc. Nähere Angaben könne und dürfe man nicht machen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele. Man sieht also, dass die zuständigen Behörden bemüht sind, den Fall sachlich zu bearbeiten. Was letztendlich dabei herauskommt wird man sehen und kann dann erst weitere Beurteilungen abgeben. CANISUND bleibt also selbstverständlich, schon aus Gründen der sachlichen Informationspflicht seiner Leserschaft gegenüber, an der Sache dran. Wir werden also, wenn uns weitere Erkenntnisse vorliegen, wieder berichten. Solange sollte man allerdings auch die Geduld aufbringen, die zuständigen Behörden ihre Arbeit machen zu lassen. Was ja eigentlich auch inzwischen geschieht. Nachdem sich viele Menschen (absolut zu recht) über die Vorgänge in dem besagten Video empört hatten, ist das was viele einen „Shitstorm“ nennen nach kurzer Zeit wieder abgeflaut. Viele Menschen hatten sich empört, einige wenige davon sind mit Bedrohungen gegen die Videodarsteller massiv über das Ziel hinausgeschossen und unserer Meinung nach genauso zu verurteilen wie die Vorgänge im Video selbst. Aber alles in allem zeigt sich jetzt, dass sich nach abflauen der ersten Empörung die sachliche Diskussion durchsetzt und man durchaus bereit ist, die behördlichen Entscheidungen abzuwarten. Was auch gut so ist…

…interessant ist in dem Zusammenhang allerdings, dass man einige Zeitgenossen findet, die sich über den vermeintlichen „Shitstorm“ besonders aufgeregt und die Videodarsteller verteidigt hatten. Heute aber diejenigen sind, die in Ihren BLOGS und FB-Seiten das Thema am köcheln halten. Während Kritiker eher in die abwartende Haltung übergegangen sind. Ein Schelm, der bei den „Verteidigern“ daran denkt, dass dies Trittbrettfahrer der „Hundeszene“ sind. Vermeintliche Trittbrettfahrer, die die Hundeszene karikieren wollen, aber selbst zur Karikatur werden weil sie überdrehen. Oder vom „Krausekritiker“ zum „Oberkrause“ mutieren ;-)
Eigentlich schade. Der bierernsten Hundeszene würde etwas Entspannung, eine Prise Humor und etwas Selbstreflexion an den passenden Stellen sicher hier und da gut tun. Wenn aber einseitig überdreht wird, vergeht einem leider auch mal der Humor…
Gut, aber das ist ein anderes Thema. CANISUND wird seine Leser zu gegebener Zeit informieren, wenn neue Erkenntnisse vorliegen.