Donnerstag, 20. Dezember 2012

Weihnachtsgrüße oder die Frage zur Moral? Die Gedanken zum falsch benutzten Napf…

Eigentlich wollte ich mich heute hinsetzen um im Blog die üblichen Weihnachtgrüße zu senden. Aber ich habe mich gegen einen einfachen Text mit Wünschen und Grüßen entschieden – aus gutem Grund möchte ich doch einen etwas „umfangreicheren“ Text formulieren. Im Verlauf des Textes werden aber auch die Wünsche nicht zu kurz kommen…
Hund mit Futternapf geschlagen
Doch was ist passiert, was meine geplante Textformulierung geändert hat? Nun, ich wurde von vielen Hundefreunden um meine Meinung gebeten. Meine Meinung zu einem Video, welches seit Beginn der Woche für viel Aufsehen im Internet sorgt. In diesem Video wird eine Sequenz gezeigt, wo Menschen mit einem Deutschen Schäferhund „trainieren“. Der Hund trägt einen Maulkorb, und zeigt offensichtlich ein, in meinen Augen klar erkennbar, angstaggressives Verhalten –bei Annährung von Menschen. Es wird also eine Situation herbeigeführt, die den Hund in diese Lage bringt, sein sehr wahrscheinlich als Verteidigungsstrategie erlerntes Aggressionsverhalten zu zeigen. Ein Mann in Regenkleidung kommt ins Bild und nähert sich dem Hund. Als der Hund sich den Mann jetzt durch eine Attacke vom Leibe halten möchte (also einen angstaggressiven Vorstoß zeigt), wird ihm mit voller Wucht ein Futternapf vor die Schnauze gehauen. Der Hund ist sichtlich beeindruckt, möchte die in der Situation für ein Lebewesen einzig richtige Strategie anwenden und flüchten, was durch die Leine, an der er gehalten wird, nicht möglich ist. Nicht nur nicht möglich, der Hundehalter ruckt auch noch einige Male an Leine und Halsband. Danach wird der sichtlich verängstigte Hund wieder in die gleiche Situation gebracht und möchte sich nun hinter seiner Besitzerin in Sicherheit bringen – dem einzigen Menschen, zu dem er in diesem Video noch einen Rest von Vertrauen zu haben scheint. Doch die lässt ihn mit seiner Angst vollkommen allein, als sich der Regenmantelmann wieder nähert. Der Hund attackiert den Regenmantel zwar in dieser Situation nicht, weil der Eindruck des Napfhiebes noch zu stark wirkt. Doch was lernt der Hund hier? Er lernt, dass sich nähernde Menschen gefährlich sind, mit Schmerz und Angstgefühlen verbunden sind. Und sein Frauchen ihm nicht hilft… Selbst wenn der Hund unter dem Eindruck des Schlages noch einige Zeit „vor Menschen kuscht“ – die negativen Verknüpfungen sind da. Und jederzeit kann es passieren, dass der Hund seinen angeborenen Willen zu überleben und Schaden von sich selbst abzuwenden, über den Eindruck des Napfschlagens stellt. Was sich in einer aggressiven Entladung schlimmsten Ausmaßes zeigen kann…
Schlagen als Rettung vor dem Einschläfern?
So weit, so schlecht. Das erst einmal nur zu dem, was im Video gezeigt wird. Als das Video jetzt im Netz veröffentlicht wurde, ging ein verständlicher Aufschrei durch die Szene der Hundehalter, ein Aufschrei, der die Macher, oder besser die menschlichen Beteiligten dieser Vorgänge anscheinend ähnlich beeindruckt hat, wie der Hund vom Schlag mit dem Blechnapf beeindruckt wurde. Die „Darsteller“ sahen sich als genötigt, eine Stellungnahme abzugeben. Und ich muss dazu ganz ehrlich sagen, diese Stellungnahme hat mich fast noch mehr geschockt, als die Misshandlung des Tieres auf dem Video selbst. Die Rechtfertigung, Ausrede, wie immer man es nennen möchte, ist kurz und knapp so zu verstehen: Der Hund hat vor dieser Behandlung schon gebissen – und um ihm das Einschläfern zu ersparen wird er mit dieser „Methode“ dazu gebracht, nicht mehr zu beißen und so vor dem Einschläfern gerettet. Das ist, kurz gesagt, die Kernaussage der Rechtfertigung.
Und an dieser Stelle muss ich es leider tun – obwohl ich mir fest vorgenommen habe, bei der Behandlung dieses Themas komplett sachlich zu bleiben. Es geht aber nicht anders, es ist eine Übersprungshandlung um meine Verärgerung zu kompensieren.
Als ich die Rechtfertigung der „Videodarsteller“ lese, falte ich die Hände, schaue nach oben und sage: „Oh mein Gott, was für ein hirnrissiger Schwachsinn ist das denn?“
Persönliches empfinden als „Schwachsinn“
Schachsinn? Ja nichts weiter als purer Schwachsinn – wenn ich denn meine ganz persönlichen moralischen Ansprüche zugrundelege. Und das ist mir an dieser Stelle ganz wichtig zu betonen – meine persönlichen Ansprüche. Und darum möchte ich hier gar nicht weiter auf die Moral anderer, hier im Speziellen auf die Moral der Napfschläger eingehen, oder deren Jünger, die solche Rechtfertigungen wieder rechtfertigen. Anscheinend haben diese Menschen und ich ein komplett anderes Empfinden über den Umgang mit empfindungsfähigen Lebewesen. Und jeder muss die Frage der Moral und des Mitgefühls für andere Geschöpfe für sich selbst entscheiden. Ich möchte mich in die Missionierung gar nicht einschalten.
Mensch ist meist schuld am aggressiven Verhalten von Hunden
Darum nur einige Worte, warum das in meinem Weltbild abgrundtiefer Schwachsinn ist und ich ganz persönlich so etwas niemals anwenden würde.
Der Hund mag aggressiv sein. Er mag auch schon gebissen haben. Aber warum hat er das getan? Ist er ein Monster, ein dominantes Untier, das die Menschen unterwerfen möchte? Mitnichten. Nach meiner beruflichen Erfahrung werden aggressive Übergriffe von Hunden auf den Menschen in fast allen Fällen überhaupt erst durch den Menschen verursacht. Meist wenn der Hund innerhalb seiner „Erziehung“ oder „Ausbildung“ mit übermäßig viel Aggression, Frustration und dauerhaftem Stress konfrontiert wird. Wenn er also ständig nur gemaßregelt wird, wenn seine Bewegung ständig eingegrenzt wird, wenn er an der Leine geruckt wird, mit Rappelmitteln beworfen wird, in die Lende gezwickt wird, mit Würgehalsbändern gewürgt und mit Stachelhalsbändern malträtiert wird. Oder wenn Elektroschocker ihre „Energien“ entfalten. Dann kann es passieren, dass das Stresssystem des Hundes das Tier  in seiner Existenz gefährdet sieht. Und Strategien zum Überleben entwickelt – die ggf. mit gesteigerter Aggression einhergehen. Und Hunde eben zu Beißern machen können. Der Mensch macht den Hund gefährlich, durch seinen Umgang, durch seine Erziehung. Hunde wie der im Video gezeigt, Hunde die aggressiv bissen, sind mir in meiner beruflichen Laufbahn schon oft begegnet. Zu oft, leider. Aber praktisch IMMER hatten diese Hunde eine Vorgeschichte, wo sie Gewalt durch Menschen erfahren hatten. Sie also vom Menschen zum Beißer gemacht wurden. Und nicht als böse Monster vom Himmel gefallen sind…
Und wenn mir dann ein Mensch, ein „Hundetrainer“ oder wer oder was auch immer mit dem Argument kommt, man könne einen Hund, der aggressiv ist (mit großer Wahrscheinlichkeit vom Menschen verschuldet) nur vor dem Einschläfern retten, indem man ihm noch mehr Gewalt antut, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr so recht, was ich dazu überhaupt noch äußern soll. Im Prinzip braucht man dazu auch nicht wirklich etwas sagen…
Beißen als Strategie und Schutz vor menschlicher Gewalt
Wenn man sich nur etwas mit dem Lernverhalten von Säugetieren auskennt, wenn man nur ein ganz kleines bisschen von den Auswirkungen von Dauerstress und Schmerzbehandlung auf Verhalten versteht. Dann weiß man, dass dieses immer weitere aufschaukeln der Gewaltspirale keine ernsthafte Lösung sein kann und darf.
Wenn man einen Hund hat, der wie im Video keine andere Möglichkeit im Leben sieht, sich unerfreuliche Dinge, Menschen und Regenmanteltypen vom Hals zu halten, als sich so aggressiv zu Verhalten. Den biegt man nicht wieder hin durch noch mehr Gewalt. Dadurch macht man ihn endgültig zur Zeitbombe, zu einer noch schlimmeren Gefahr, als er ohnehin schon ist.
Und, damit wären wir wieder bei der Moral – bei meiner persönlichen Vorstellung von Moral. Wir tun einem solchen Hund noch etwas Schlimmeres an, als den Schmerz selbst. Die ständige Angst vor dem Schmerz – der Hund führt ein Leben in Angst und Stress, er fühlt sich dauerhaft nicht gut – er führt ein Leben, bei dem man sich fragt, ob es Lebenswert ist…
Traumatisiert und verängstigt – ein lebenswertes Leben?
Was bestimmt nicht heißen soll, dass man Hunde, die tatsächlich aggressiv geworden sind, einschläfern sollte. Um Gottes willen, nein! Wie gesagt, meist ist es ja durch den Menschen überhaupt verursacht worden. Und dann sollen sich Menschen gefälligst in ihrer kollektiven Verantwortung darum kümmern, Hunden zu helfen, die durch Menschen zu dem wurden, was sie sind. Es kommt dabei in erster Linie auf ein vernünftiges Management eines solchen Hundes an  - welches allerdings nicht von jedem Hundehalter bewältigt werden kann. Aber ich bin mir sicher dass es möglich ist, bei den meisten Hunden mit ähnlichem Schicksal, durch geschicktes Management und Maßnahmen die negativen Verknüpfungen gegenüber Menschen etwas abzumildern. Und den Hunden in gesichertem (!) Umfeld ein lebenswertes Leben ermöglichen. Komplett ohne ein hochschrauben der Gewaltspirale. Und ich bin mir auch sicher, dass der im Video gezeigte Hund letztendlich auch nur durch ein Management gehalten werden kann und durch die Napfattacke nicht zum Schoßhund mutiert ist…
Nur die Spitze des Eisbergs – Gewaltspirale beginnt viel früher
Also, das Video und die Rechtfertigung dazu sind für mich persönlich und für meine Vorstellungen von Moral nicht tragbar. Aber seien wir doch einmal ehrlich – das ist doch nur die Spitze des Eisbergs in der Hundeerziehung. Über das Video wird sich zu recht im Netz aufgeregt. Wenn auch von einigen Kommentatoren manchmal in der Wahl der Worte über das Ziel hinausgeschossen wird – die Aufregung an sich ist zu verstehen. Was ich allerdings nicht verstehe, dass sich erst bei einem solch extremen Beispiel in der Form aufgeregt wird. Das Fundament für aggressive Hunde, die dann in letzter Konsequenz eingeschläfert oder mit Näpfen verprügelt werden, ist ein ganz anderes. Das Fundament für die Hundeseelen (die keine anderen Strategien mehr aus ihrem Dauerstress finden als „sich beißend zu wehren“), sind in meinen Augen die Rappeldosenwerfer, die Leinenrucker, Stachelhalsbandnutzer und Elektroschocker. Die lösen durch die aggressive Behandlung des Tieres doch erst den Verteidigungsmechanismus aus. Augenscheinlich ist nicht der Hund böse. Aber der bekommt den Napf übergebraten…
Doch noch die guten Wünsche…
Da ja jetzt die Zeit des Wünschens ist. Das einzig „Gute“ an diesem Video ist die Tatsache, dass die allgegenwärtige Gewalt in der Hundeerziehung nun ausführlich diskutiert wird.  Ich würde mir aber ernsthaft wünschen, dass nicht nur solche Extrembeispiele in den Fokus gerückt werden. Denn, wie schon gesagt. Die ganze Gewaltspirale beginnt schon viel früher…
Und abschließend möchte ich allen Lesern dann doch noch die besten Wünsche zu Weihnachten zukommen lassen.
Im Namen des gesamten Teams rund um CANISUND wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2013!
Thomas Riepe
(Chefredakteur)
 
Anmerkung zu Kommentaren:
Kommentare sind ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation und der Diskussion, besonders bei kontroversen Themen. Allerdings sind wir der Meinung, dass jeder, der einen Kommentar schreibt, auch dazu stehen sollte, seinen Namen offen nennen und sich nicht hinter einer vermeintlichen Internetanonymität verstecken sollte. Darum können wir nur Kommentare zulassen, bei der jeder Verfasser seine Identität offenlegt. Name, Adresse und eine Emailadresse, die bestätigt werden muss, müssen unter jedem Kommentar angefügt werden.

 

Kommentare:

  1. Thomas, vielen Dank für deine klaren Worte.

    Ich würde allerdings von Unrechtfertigung sprechen...

    Liebe Grüße - Angelika

    AntwortenLöschen
  2. Jaaaa - vielen, lieben Dank für die gut gewählten Worte und formulierten Gedanken. Ich wünsche mir, dass diesen Text ganz, ganz viele Hundemenschen lesen und darüber nachdenken werden und vielleicht auch irgendwann verstehen wollen... Frohe Weihnachten auch Ihnen!
    Petra Ruge & der Rest der Hadhi-Crew
    www.hadhi-dog-trike.de

    AntwortenLöschen
  3. Super formuliert! Vielen Herzlichen Dank!

    Liebe Grüße, Madeleine

    AntwortenLöschen
  4. Sehr geehrter Herr Riepe
    Danke für die Worte, ich hoffe das dies auch von der Redaktion des Magazins Dogs gelesen wird welche mir eine E Mail auf meine Beschwerde gegen einen der Autoren, der Mann mit dem Napf, geschrieben haben.
    Die Aussage der Redaktion: Das muss erst noch persönlich besprochen werden, hat mich enttäuscht.
    Nun ja, zum Glück gibt es kompetente Kynologen und Hundekenner die sich zu dem Thema geäussert haben und ich bin Froh das, der Herr mit dem Napf, nicht wie bei dem Pitbull Mädel und dem Rottweiler nochmals ohne Aufsehen davon kommt.
    Danke vielmals aus der Schweiz
    Ein frohes Fest und einen leisen Rutsch ins Jahr 2013 wünschen wir Familie Schultheiss und ihre Contis

    AntwortenLöschen
  5. lieber herr riepe
    danke für ihre worte die so zutreffend sind..ich hoffe, diese statment über all im netzt die hunde halter erreichen.vor allem die, die sich von falschen trainer verleiten lassen alle diesen tricks zu benutzen, denn sie wissen nicht was sie ihren tiere antun.
    liebe grüße

    agnes

    AntwortenLöschen
  6. Sehr geehrter Herr Riepe,

    zunächst einmal Danke für die sachliche Darstellung dieses Vorfalles.

    Als kleine Ergänzung: etwas wurde vergessen - ein Hund mit einem Maulkorb, zudem mit einem Metallmaulkorb, ist w e h r l o s - völlig egal, was er vorher oder nachher gemacht hat oder machen wird. In dieser Situation ist das Tier wehrlos. Das macht die Sache noch perfider. Jeder Laie erkennt, daß der gezeigte Hund ein Problem hat - vor allem aber das Problem: Menschen gegenüber mißtrauisch zu reagieren - ob aus Angst oder anderen Gründen (negative Erfahrungen, keine Sozialisierung) - selbst das ist dabei marginal. In der gezeigten Situation wird diesem Hund k e i n e Möglichkeit gelassen, genau bei diesem Problem eine eventuell bessere Erfahrung zu machen. Ein vorher/nachher interessiert nicht. Hunde reagieren situativ und lernen durch Wiederholung.
    Schlußendlich wird die bisherige Erfahrung des Hundes einmal mehr bestätigt: "Menschen sind schlecht." Das, was der Hund als Erfahrung bisher abgespeichert hat, wird nun eine weiteres Mal gefestigt.
    Aggressivität mit Aggressivität zu beantworten ist - bei Mensch und Tier - grundsätzlich falsch, verachtungswürdig und überflüssig.

    Dazu kommt eine himmelschreiende extreme Verantwortungslosigkeit der gezeigten Personen incl. der Filmemacherin, nämlich die, daß bedenken- und kommentarlos ein solches Video unter die Menschen geschüttet wird. Trittbrettfahrer wird es geben, die meinen werden: "Hundeschule "sowieso" hat gezeigt, wie es geht. So mache ich es jetzt auch."

    Gerade am Anfang eines Weges, es anders und besser zu machen und solcherlei zweifelhafte Extrem-Methoden - und ich ergänze bewußt: u n n ö t i g e Schlagmethoden - in die Vergangenheit zu verbannen, empfinde ich das gezeigte Video als tiefen Rückschlag für alle diejenigen, die sich mit Verstand, Geduld und sehr viel Kreativität (Menschen können denken!) für ein tierschutzgerechtes, artgerechtes und besseres Lernen einsetzen.

    In diesem Sinne für 2013 - bleiben wir stark und mühen uns weiterhin, unsere Tiere vor Gewalt zu schützen, ihnen eine vertrauensvolle Basis neben uns Menschen anzubieten und ihnen dabei zu helfen, einen festen Platz in unserer Mitte zu finden. Jedes einzelne Tier hat unseren Respekt verdient.

    Frohe Weihnachten
    Christine

    AntwortenLöschen
  7. Sehr geehrter Herr Riepe

    Danke für die klaren Worte, mir aus der Seele gesprochen. Ich hatte schon viele angsterfüllte agressive Hunde in meinem Heim für graue Schnauzen. In 40 Jahren Hundehaltung habe ich da schon einiges erlebt. Alle diese geschundenen Tiere haben sich nach kurzer Zeit zu sanften und liebevollen Fellnasen entwickelt, und das ganz bestimmt nicht unter zuHilfenahme eines Futternapfes als Schlagstock. Ich verurteile derartige "Erziehungsmethoden" aufs schärfste, und greife auch ein wenn ich es live erlebe draußen.

    Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Weihnacht und einen guten Rutsch

    Wolfgang Rosen Kleve/Niederrhein

    AntwortenLöschen
  8. Danke für diese klaren Worte... leider findet man aber auch einige Hundeprofis, die das Gezeigte nicht so problematisch sehen, was mich sehr, sehr nachdenklich macht...

    AntwortenLöschen
  9. Dr. Kaminski: "Den Hund als verdummten Wolf zu betrachten wird ihm ebenso nicht gerecht wie das Hunde-Training ausschließlich auf Konditionierung aufzubauen. Forschung aus dem Bereich der vergleichenden Kognition beweist, dass Hunde (ebenso wie andere Tierarten) flexibel auf ihre Umgebung eingehen können, flexible Entscheidungen fällen und ihr Verhalten nicht nur starren, konditionierten Mustern folgt. Es wird Zeit alte Ansätze von Behaviorismus endlich aus den Köpfen zu bekommen. Der Hund hat sich an seine neue Nische Mensch angepasst. Der Mensch ist zu dem bevorzugten Sozialpartner geworden auf den flexibel reagiert wird." Aus: Max-Planck-Insitut: Wissenschaft beweist erneut: Nur Hunde verstehen den Menschen!

    AntwortenLöschen
  10. Die in dem Video präsentierte Methode zur „Öffnung“ einer Schäferhundin ist und bleibt zweifelhaft und fragwürdig. Was mich jedoch auch beschäftigt, ist die Frage, warum es überhaupt so weit gekommen ist. Hundehaltung - wohin gehst Du?

    In meiner Tierbesitzer beratenden Tätigkeit habe ich zunehmend mehr mit Hunden zu tun, die verhaltensauffällig sind. Mal mehr mal weniger ausgeprägt störend für ihren Besitzer. Sehr oft sehe ich Hunde, die meistens auch in einer Hundeschule waren, dort mit anderen Welpen Kontakt hatten und sich trotz besten Bemühens des Besitzers in eine andere Richtung entwickelten als es gewünscht war. Die Hunde, die ich sehe, sind sehr oft unsicher und haben ihre eigene Strategie der Lebens- und Konfliktbewältigung gefunden, zur Not auch gegen den Willen des Besitzers. Oft genug hapert es an der Beziehung von Hund und Mensch, aber der Besitzer wiegt sich in dem festen, aber Irr-Glauben, ein habe eine gute Beziehung zu seinem Hund. Häufig ist die Beziehung jedoch austauschbar (da werden Hunde den Hundeschultrainern für Turniere oder Trainings ausgeliehen) und für den Hund wenig bedürfnisorientiert. Es kommt zum Vertrauensbruch, weil der Mensch die Bedürfnisse des Hundes nicht berücksichtigt und damit dem Hund seine eigene Persönlichkeit abspricht. Eine uniforme Dressur gleichgeschaltet für jeden Hund, gleich welcher Rasse, berücksichtigt nicht die individuellen Bedürfnisse und Talente eines Hundes. Der Mensch versucht sich und sein schlechtes Gewissen freizukaufen und favorisiert die Ausbildung „rein nach positiver Bestärkung“, ohne jedoch zu merken, daß darüber kein Aufbau einer sicheren Bindung erfolgen kann. Oder er geht den Weg über den Schutzdienst und meint, dort könne der Hund seine "Triebe" ausleben, als wenn es ein Bedürfnis des Hundes sei, einen Menschen zu attackieren. Am Ende steht ein Hund, der von seinem Besitzer gelernt hat, eigene Entscheidungen zu treffen und im Zweifel für sich selber aufzutreten, zur Not auch gegen seinen Menschen. Penetrant abforderndes Verhalten, schnelles und unkontrolliertes Abspulen der gelernten Tricks oder Dressuren, aggressives Verhalten gegen Artgenossen oder Menschen, Ziehen an der Leine sind nur einige der möglichen Ergebnisse dieser Arbeit. Darüber sollten wir uns ebenfalls Gedanken machen...Hundehaltung - wie und um welchen Preis?“

    AntwortenLöschen
  11. Danke, Herr Riepe, für die klaren Worte, denen Sie auch Ihre subjektive Empfindung zugrunde legen! Im Gegensatz zu vielen "sachlich bleibenden Erklärern", die nur nicht eindeutig Stellung beziehen wollen, haben Sie bewiesen, dass Sie wirklich einen A.. in der Hose haben und nicht nur als Verhaltenskenner sondern auch als Mensch den ganzen Unsinn, den so viele unserer Kollegen zu rechtfertigen versuchen, verurteilen.
    Wir kämpfen an derselben Front - und das ist gut so!

    AntwortenLöschen