Sonntag, 30. Dezember 2012

Weil es in die Zeit passt: Sind Hunde untereinander wirklich so robust?


Im Moment hört und liest man als Rechtfertigung für einen „robusten“ Umgang mit Hunden wieder vermehrt, dass Hunde miteinander auch nicht zimperlich sein würden. Kann man das wirklich so pauschal betrachten? Dazu habe ich mir bereits in der WUFF 11/2012 meine Gedanken gemacht. Weil  die Gedanken gerade gut in die Zeit passen   ;-)  , kann man sie hier noch einmal nachlesen:
http://www.gratis-webserver.de/zzh/data/downloads/247223/Hunde_untereinander_robust.pdf

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Riepes Hundetalk – Vorschau 2013 und Mithilfe…

Hunde, Freiheiten und Kontrolle…
Die erste Sendung von „Riepes Hundetalk“ für 2013 ist bereits gedreht und wird in der 6. Kalenderwoche auf NRWISION zu sehen Sein. Tierpsychologe Jörg Tschentscher und ich unterhalten uns dort darüber, wie viele Freiheiten Menschen ihren Hunden zugestehen dürfen und sollen. Und wie man diese Freiheiten hundegerecht umsetzen kann, ohne gleich die „Kontrolle“ zu verlieren… Freuen sie sich auf die erste Sendung 2013 – die genaue Sendezeit wird hier noch bekanntgegeben.
Für weitere Sendung Ihre Mithilfe benötigt
Für eine weitere Sendung benötigen wir die Mithilfe unserer Zuschauer. Es ist eine Sendung geplant, wo Fragen der Zuschauer beantwortet werden. Meine Kollegin Kathrin Schar  und ich werden Ihnen dort Antworten geben, nach denen Sie vielleicht schon lagen suchen…
Da pauschale Antworten rund um ein spezielles Problem eines bestimmten Hundeindividuums allerdings selten von seriösem Erfolg gekrönt sind, möchten wir uns auf die Beantwortung von Fragen beschränken, die allgemein beantwortet werden können, ohne „pauschalen Schaden“ anrichten zu können (z. B. Fragen wie: „Verhalten sich Hunde untereinander wirklich so robust?“ etc.). Bitte schicken Sie die Fragen an folgende Emailadresse: thomas@riepehunde.de. Wir freuen uns auf interessante Fragen und auf die Aufgabe, sie in unserer Sendung zu beantworten.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Weihnachtsgrüße oder die Frage zur Moral? Die Gedanken zum falsch benutzten Napf…

Eigentlich wollte ich mich heute hinsetzen um im Blog die üblichen Weihnachtgrüße zu senden. Aber ich habe mich gegen einen einfachen Text mit Wünschen und Grüßen entschieden – aus gutem Grund möchte ich doch einen etwas „umfangreicheren“ Text formulieren. Im Verlauf des Textes werden aber auch die Wünsche nicht zu kurz kommen…
Hund mit Futternapf geschlagen
Doch was ist passiert, was meine geplante Textformulierung geändert hat? Nun, ich wurde von vielen Hundefreunden um meine Meinung gebeten. Meine Meinung zu einem Video, welches seit Beginn der Woche für viel Aufsehen im Internet sorgt. In diesem Video wird eine Sequenz gezeigt, wo Menschen mit einem Deutschen Schäferhund „trainieren“. Der Hund trägt einen Maulkorb, und zeigt offensichtlich ein, in meinen Augen klar erkennbar, angstaggressives Verhalten –bei Annährung von Menschen. Es wird also eine Situation herbeigeführt, die den Hund in diese Lage bringt, sein sehr wahrscheinlich als Verteidigungsstrategie erlerntes Aggressionsverhalten zu zeigen. Ein Mann in Regenkleidung kommt ins Bild und nähert sich dem Hund. Als der Hund sich den Mann jetzt durch eine Attacke vom Leibe halten möchte (also einen angstaggressiven Vorstoß zeigt), wird ihm mit voller Wucht ein Futternapf vor die Schnauze gehauen. Der Hund ist sichtlich beeindruckt, möchte die in der Situation für ein Lebewesen einzig richtige Strategie anwenden und flüchten, was durch die Leine, an der er gehalten wird, nicht möglich ist. Nicht nur nicht möglich, der Hundehalter ruckt auch noch einige Male an Leine und Halsband. Danach wird der sichtlich verängstigte Hund wieder in die gleiche Situation gebracht und möchte sich nun hinter seiner Besitzerin in Sicherheit bringen – dem einzigen Menschen, zu dem er in diesem Video noch einen Rest von Vertrauen zu haben scheint. Doch die lässt ihn mit seiner Angst vollkommen allein, als sich der Regenmantelmann wieder nähert. Der Hund attackiert den Regenmantel zwar in dieser Situation nicht, weil der Eindruck des Napfhiebes noch zu stark wirkt. Doch was lernt der Hund hier? Er lernt, dass sich nähernde Menschen gefährlich sind, mit Schmerz und Angstgefühlen verbunden sind. Und sein Frauchen ihm nicht hilft… Selbst wenn der Hund unter dem Eindruck des Schlages noch einige Zeit „vor Menschen kuscht“ – die negativen Verknüpfungen sind da. Und jederzeit kann es passieren, dass der Hund seinen angeborenen Willen zu überleben und Schaden von sich selbst abzuwenden, über den Eindruck des Napfschlagens stellt. Was sich in einer aggressiven Entladung schlimmsten Ausmaßes zeigen kann…
Schlagen als Rettung vor dem Einschläfern?
So weit, so schlecht. Das erst einmal nur zu dem, was im Video gezeigt wird. Als das Video jetzt im Netz veröffentlicht wurde, ging ein verständlicher Aufschrei durch die Szene der Hundehalter, ein Aufschrei, der die Macher, oder besser die menschlichen Beteiligten dieser Vorgänge anscheinend ähnlich beeindruckt hat, wie der Hund vom Schlag mit dem Blechnapf beeindruckt wurde. Die „Darsteller“ sahen sich als genötigt, eine Stellungnahme abzugeben. Und ich muss dazu ganz ehrlich sagen, diese Stellungnahme hat mich fast noch mehr geschockt, als die Misshandlung des Tieres auf dem Video selbst. Die Rechtfertigung, Ausrede, wie immer man es nennen möchte, ist kurz und knapp so zu verstehen: Der Hund hat vor dieser Behandlung schon gebissen – und um ihm das Einschläfern zu ersparen wird er mit dieser „Methode“ dazu gebracht, nicht mehr zu beißen und so vor dem Einschläfern gerettet. Das ist, kurz gesagt, die Kernaussage der Rechtfertigung.
Und an dieser Stelle muss ich es leider tun – obwohl ich mir fest vorgenommen habe, bei der Behandlung dieses Themas komplett sachlich zu bleiben. Es geht aber nicht anders, es ist eine Übersprungshandlung um meine Verärgerung zu kompensieren.
Als ich die Rechtfertigung der „Videodarsteller“ lese, falte ich die Hände, schaue nach oben und sage: „Oh mein Gott, was für ein hirnrissiger Schwachsinn ist das denn?“
Persönliches empfinden als „Schwachsinn“
Schachsinn? Ja nichts weiter als purer Schwachsinn – wenn ich denn meine ganz persönlichen moralischen Ansprüche zugrundelege. Und das ist mir an dieser Stelle ganz wichtig zu betonen – meine persönlichen Ansprüche. Und darum möchte ich hier gar nicht weiter auf die Moral anderer, hier im Speziellen auf die Moral der Napfschläger eingehen, oder deren Jünger, die solche Rechtfertigungen wieder rechtfertigen. Anscheinend haben diese Menschen und ich ein komplett anderes Empfinden über den Umgang mit empfindungsfähigen Lebewesen. Und jeder muss die Frage der Moral und des Mitgefühls für andere Geschöpfe für sich selbst entscheiden. Ich möchte mich in die Missionierung gar nicht einschalten.
Mensch ist meist schuld am aggressiven Verhalten von Hunden
Darum nur einige Worte, warum das in meinem Weltbild abgrundtiefer Schwachsinn ist und ich ganz persönlich so etwas niemals anwenden würde.
Der Hund mag aggressiv sein. Er mag auch schon gebissen haben. Aber warum hat er das getan? Ist er ein Monster, ein dominantes Untier, das die Menschen unterwerfen möchte? Mitnichten. Nach meiner beruflichen Erfahrung werden aggressive Übergriffe von Hunden auf den Menschen in fast allen Fällen überhaupt erst durch den Menschen verursacht. Meist wenn der Hund innerhalb seiner „Erziehung“ oder „Ausbildung“ mit übermäßig viel Aggression, Frustration und dauerhaftem Stress konfrontiert wird. Wenn er also ständig nur gemaßregelt wird, wenn seine Bewegung ständig eingegrenzt wird, wenn er an der Leine geruckt wird, mit Rappelmitteln beworfen wird, in die Lende gezwickt wird, mit Würgehalsbändern gewürgt und mit Stachelhalsbändern malträtiert wird. Oder wenn Elektroschocker ihre „Energien“ entfalten. Dann kann es passieren, dass das Stresssystem des Hundes das Tier  in seiner Existenz gefährdet sieht. Und Strategien zum Überleben entwickelt – die ggf. mit gesteigerter Aggression einhergehen. Und Hunde eben zu Beißern machen können. Der Mensch macht den Hund gefährlich, durch seinen Umgang, durch seine Erziehung. Hunde wie der im Video gezeigt, Hunde die aggressiv bissen, sind mir in meiner beruflichen Laufbahn schon oft begegnet. Zu oft, leider. Aber praktisch IMMER hatten diese Hunde eine Vorgeschichte, wo sie Gewalt durch Menschen erfahren hatten. Sie also vom Menschen zum Beißer gemacht wurden. Und nicht als böse Monster vom Himmel gefallen sind…
Und wenn mir dann ein Mensch, ein „Hundetrainer“ oder wer oder was auch immer mit dem Argument kommt, man könne einen Hund, der aggressiv ist (mit großer Wahrscheinlichkeit vom Menschen verschuldet) nur vor dem Einschläfern retten, indem man ihm noch mehr Gewalt antut, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr so recht, was ich dazu überhaupt noch äußern soll. Im Prinzip braucht man dazu auch nicht wirklich etwas sagen…
Beißen als Strategie und Schutz vor menschlicher Gewalt
Wenn man sich nur etwas mit dem Lernverhalten von Säugetieren auskennt, wenn man nur ein ganz kleines bisschen von den Auswirkungen von Dauerstress und Schmerzbehandlung auf Verhalten versteht. Dann weiß man, dass dieses immer weitere aufschaukeln der Gewaltspirale keine ernsthafte Lösung sein kann und darf.
Wenn man einen Hund hat, der wie im Video keine andere Möglichkeit im Leben sieht, sich unerfreuliche Dinge, Menschen und Regenmanteltypen vom Hals zu halten, als sich so aggressiv zu Verhalten. Den biegt man nicht wieder hin durch noch mehr Gewalt. Dadurch macht man ihn endgültig zur Zeitbombe, zu einer noch schlimmeren Gefahr, als er ohnehin schon ist.
Und, damit wären wir wieder bei der Moral – bei meiner persönlichen Vorstellung von Moral. Wir tun einem solchen Hund noch etwas Schlimmeres an, als den Schmerz selbst. Die ständige Angst vor dem Schmerz – der Hund führt ein Leben in Angst und Stress, er fühlt sich dauerhaft nicht gut – er führt ein Leben, bei dem man sich fragt, ob es Lebenswert ist…
Traumatisiert und verängstigt – ein lebenswertes Leben?
Was bestimmt nicht heißen soll, dass man Hunde, die tatsächlich aggressiv geworden sind, einschläfern sollte. Um Gottes willen, nein! Wie gesagt, meist ist es ja durch den Menschen überhaupt verursacht worden. Und dann sollen sich Menschen gefälligst in ihrer kollektiven Verantwortung darum kümmern, Hunden zu helfen, die durch Menschen zu dem wurden, was sie sind. Es kommt dabei in erster Linie auf ein vernünftiges Management eines solchen Hundes an  - welches allerdings nicht von jedem Hundehalter bewältigt werden kann. Aber ich bin mir sicher dass es möglich ist, bei den meisten Hunden mit ähnlichem Schicksal, durch geschicktes Management und Maßnahmen die negativen Verknüpfungen gegenüber Menschen etwas abzumildern. Und den Hunden in gesichertem (!) Umfeld ein lebenswertes Leben ermöglichen. Komplett ohne ein hochschrauben der Gewaltspirale. Und ich bin mir auch sicher, dass der im Video gezeigte Hund letztendlich auch nur durch ein Management gehalten werden kann und durch die Napfattacke nicht zum Schoßhund mutiert ist…
Nur die Spitze des Eisbergs – Gewaltspirale beginnt viel früher
Also, das Video und die Rechtfertigung dazu sind für mich persönlich und für meine Vorstellungen von Moral nicht tragbar. Aber seien wir doch einmal ehrlich – das ist doch nur die Spitze des Eisbergs in der Hundeerziehung. Über das Video wird sich zu recht im Netz aufgeregt. Wenn auch von einigen Kommentatoren manchmal in der Wahl der Worte über das Ziel hinausgeschossen wird – die Aufregung an sich ist zu verstehen. Was ich allerdings nicht verstehe, dass sich erst bei einem solch extremen Beispiel in der Form aufgeregt wird. Das Fundament für aggressive Hunde, die dann in letzter Konsequenz eingeschläfert oder mit Näpfen verprügelt werden, ist ein ganz anderes. Das Fundament für die Hundeseelen (die keine anderen Strategien mehr aus ihrem Dauerstress finden als „sich beißend zu wehren“), sind in meinen Augen die Rappeldosenwerfer, die Leinenrucker, Stachelhalsbandnutzer und Elektroschocker. Die lösen durch die aggressive Behandlung des Tieres doch erst den Verteidigungsmechanismus aus. Augenscheinlich ist nicht der Hund böse. Aber der bekommt den Napf übergebraten…
Doch noch die guten Wünsche…
Da ja jetzt die Zeit des Wünschens ist. Das einzig „Gute“ an diesem Video ist die Tatsache, dass die allgegenwärtige Gewalt in der Hundeerziehung nun ausführlich diskutiert wird.  Ich würde mir aber ernsthaft wünschen, dass nicht nur solche Extrembeispiele in den Fokus gerückt werden. Denn, wie schon gesagt. Die ganze Gewaltspirale beginnt schon viel früher…
Und abschließend möchte ich allen Lesern dann doch noch die besten Wünsche zu Weihnachten zukommen lassen.
Im Namen des gesamten Teams rund um CANISUND wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2013!
Thomas Riepe
(Chefredakteur)
 
Anmerkung zu Kommentaren:
Kommentare sind ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation und der Diskussion, besonders bei kontroversen Themen. Allerdings sind wir der Meinung, dass jeder, der einen Kommentar schreibt, auch dazu stehen sollte, seinen Namen offen nennen und sich nicht hinter einer vermeintlichen Internetanonymität verstecken sollte. Darum können wir nur Kommentare zulassen, bei der jeder Verfasser seine Identität offenlegt. Name, Adresse und eine Emailadresse, die bestätigt werden muss, müssen unter jedem Kommentar angefügt werden.

 

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Mentale Gewalt durch "Leinenruck"?

Viele Hundetrainer und Hundeexperten sprechen gern von gewaltfreier Hundeerziehung. Sie meinen damit, dass Sie keine, für jeden sichtbare Methoden anwenden, die dem Hund Schmerz und Leid zufügen. Das heißt, sie schlagen die Hunde nicht oder rucken nicht so stark an der Leine, dass die Hunde „durch die Gegend“ fliegen und sie benutzen auch keine Stachelhalsbänder. So weit, so gut – die Tatsache ist durchaus löblich, gerade in einer Zeit wo Hundetrainer, die auch offen brutale Methoden bei der Hundeerziehung zeigen, einen regen Zuspruch erfahren. Aber sind Trainer, die sich „Gewaltfrei“ praktisch als eine Art Gütesiegel auf ihre Fahnen schreiben, wirklich immer vollkommen Gewaltfrei? Oder gibt es Methoden in der Hundeerziehung, die zwar auf den ersten Blick „harmlos“ aussehen, aber in ihrer Wirkung ähnlich negative Auswirkungen haben wie offen ersichtliche Gewalt? Gibt es in der Hundeerziehung mentale Gewalt?
Um sich dem Thema etwas anzunähern, sollte man erst einmal abklären, was hinter den Wörtern „mentale Gewalt“ (auch „psychische Gewalt“) steckt. Dabei ist es allerdings recht schwer, eine einheitliche Definition zu finden – vor allem, weil sich die Wissenschaft mit der Forschung bzgl. der psychischen Gewalt gegenüber Tieren bislang recht zurückhaltend verhält. Darum seien an dieser Stelle die Erläuterungen zugrunde gelegt, mit denen man psychische Gewalt gegenüber Menschen allgemein definiert. Natürlich kann man Mensch und Hund nicht pauschal miteinander vergleichen, allerdings sind die Gehirne von Säugetieren (zu denen der Mensch zweifelsfrei zählt)  so ähnlich aufgebaut, dass man neurobiologische Wirkungsweisen durchaus übertragen kann. Psychische Gewalt ist vielfältig, daher seien hier nur einige, immer wieder benannte Faktoren aufgezählt: Psychische Gewalt ist unter anderem…
…wenn jemandem mutwillig Angst gemacht wird, wenn jemand eingeschüchtert wird, wenn jemand klein gemacht, klein gehalten, abgewertet oder gezielt entmutig, verunsichert wird. Psychische Gewalt ist aber auch immer subjektiv zu sehen, dass heißt, dass jedes Individuum sein emotionales und existentielles Empfinden anders gewichtet. Knapp ausgedrückt: Es gibt Individuen mit „dickem Fell“, es gibt Sensibelchen und eine Menge dazwischen…
Erwähnt werden sollte auch, dass eine Orientierungslosigkeit aufgrund fehlender Grenzen bei einigen Individuen ebenfalls wie psychische Gewalt wirkt – aufgrund von daraus resultierender Verunsicherung. Keinesfalls dürfen diese Grenzen aber mit weiterer Verunsicherung gesetzt werden.
Mit der Angst eines Hundes, mit Einschüchterung und Verunsicherung zu arbeiten ist also psychische Gewalt. Warum diese Form von Gewalt so besonders heimtückisch ist, möchte ich Ihnen gern anhand einer möglichen Folge der mentalen Gewalt, der Depression erläutern.
Immer dann, wenn ein Säugetier einer Situation ausgesetzt wird, die seinen Körper ungewöhnlich und stark fordert, wird das Stresshormonsystem aktiviert. Unter anderen wird das Stresshormon Cortisol produziert, welches, wenn es ins Blut gelangt, den Körper darauf vorbereitet, der außergewöhnlichen Situation zu begegnen. Der Körper wird Kampf- und Verteidigungsbereit. Den Körper belastet dieser „Verteidigungsmodus“ stark und deshalb kann und sollte dieser Zustand nicht zu lange andauern. Eben nur für die Zeit der Verteidigung, nach bereinigter Situation wird der Körper hormonell wieder in den Normalzustand zurückgefahren. Die Rückführung in den Normalzustand erfolgt über die körperliche Aktion als Abbau der Stresshormone oder über den Neurotransmitter (den Botenstoff) Serotonin, der auch den Abbau der Stresshormone herbeiführt. Wie gesagt, das funktioniert, wenn der belastende Zustand nur einen kurzen Zeitraum einnimmt. Ist die Belastung länger, oder gar dauerhaft, kann es passieren, dass der Körper die Gleichgewichtung von Stresshormonen und deren Abbau nicht mehr regeln kann und eine Art „Notbremse“ zieht um der dauerhaften Belastung zu entgehen. Das äußert sich in einer absoluten Lustlosigkeit und Antriebsarmut. Keine Bewegung hat aber zur Folge, dass auch seltener Glückshormone den Körper und die Psyche „wieder aufbauen“. Ein Kreislauf entsteht, der das betroffene Wesen mental immer weiter herunterzieht und es sich nicht mehr „wohl fühlen“ kann – es leidet psychisch, seelisch. Bei Depressionen ist das Stresshormon Cortisol dauerhaft erhöht und am entgegenwirkenden Neurotransmitter Serotonin liegt ein Mangel vor. Eine Depression kann also wie beschreiben durch eine dauerhaft belastende Angst, Unterdrückung oder Verunsicherung ausgelöst werden.
Eine solche dauerhafte Belastung beim Hund kann zum Beispiel sein, wenn man ihn mit so genannten Sprühhalsbändern „ausbildet“, bei denen der Wasserstrahl für den Hund nicht kalkulierbar, „aus heiterem Himmel“ kommt und der Hund dauerhaft verängstigt und verunsichert ist, weil er ständig auf einen neuen Strahl wartet. Eine dauerhafte Belastung ist aber natürlich auch ein ständiges Unterdrücken und Einschüchtern, was auch einen dauerhaft erhöhten Stresslevel und somit erhöhten Cortisolspiegel begünstigt. Mit den möglichen Folgen der beschriebenen Depression…
…genau wie bei der Verunsicherung durch Leinenruck und Leinenimpuls.
In einem Hunde Lifestyle-Magazin rät in der Dezemberausgabe 2010 z. B. ein Hundetrainer dazu, dem Hund die Leinenführigkeit über den so genannten „Leinenimpuls“, mit einem 10 Punkte Plan, beizubringen. Ich kann hier nicht die 10 Punkte komplett aufführen, möchte aber Sinngemäß wiedergeben, wie sich diese Methode für mich darstellt. Der Hundetrainer nennt ein kurzes, ruckartiges Ziehen an der Leine, Leinenimpuls. Dieser „Leinenimpuls“ soll in bestimmten Situationen genutzt werden, z. B. wenn der Hund schnüffelt. Das Ziel ist, dass der Hund bei jedem Leinenimpuls verunsichert wird und zum Besitzer schaut, sich am Menschen orientiert. Durch häufiges wiederholen soll der Hund bewusst so verunsichert werden, dass er, während er neben dem Besitzer läuft, ständig zu diesem schaut – weil er weiß, es kommt irgendwann der „Leinenimpuls“. Der Hund soll also nur auf seinen Menschen schauen, wenn er es nicht macht, kommt ein Ruck. Durch dieses Konzentrieren auf den Besitzer bekommt der Hund auch mit, wenn der Mensch die Richtung wechselt. Wechselt der Hund auch die Richtung, ist es gut, wenn nicht, gibt es eben einen Ruck, einen „Impuls“. Damit der unangenehme Ruck ausbleibt, wird der Hund irgendwann lernen, jeden Richtungswechsel seines Besitzers mitzumachen. Fazit des Trainers ist, dass der Hund, über diesen „Leinenimpuls“ bewusst verunsichert werden soll, um ständig seinen Besitzer und dessen Handlungen im Blick zu behalten. Dieser Hundeexperte arbeitet also ganz bewusst mit der dauerhaften Verunsicherung – die, wie bereits erläutert, zu einem hormonellen Ungleichgewicht führen kann, welches für den Hund letztlich eine psychische Qual bedeutet. Der Leinenimpuls ist also, wie hier in einem anderen Blogartikel bereits erläutert, nicht nur körperliche, schmerzhafte Gewalt. Leinenimpulse können auch mental höchst gewaltsam wirken und das Wohlbefinden eines Hundes nachhaltig negativ beeinflussen…

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Anmerkung zu Kommentaren:
Kommentare sind ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation und der Diskussion, besonders bei kontroversen Themen. Allerdings sind wir der Meinung, dass jeder, der einen Kommentar schreibt, auch dazu stehen sollte, seinen Namen offen nennen und sich nicht hinter einer vermeintlichen Internetanonymität verstecken sollte. Darum können wir nur Kommentare zulassen, bei der jeder Verfasser seine Identität offenlegt. Name, Adresse und eine Emailadresse, die bestätigt werden muss, müssen unter jedem Kommentar angefügt werden.

Montag, 3. Dezember 2012

Hundetalk „Best Of 2012" und Yellowstone-Impressionen

“Riepes Hundetalk” ist 2012 sehr erfolgreich auf NRWISION gestartet. Die zweite Sendung zum „hundegerechten Alltag“ mit Maria Hense wurde auf Anhieb die meistgesehene Sendung des Senders aller Zeiten. Und auch die erste Sendung mit Jörg Tschentscher zum Thema „Hundeglück“, belegt eine Spitzenposition in den Sendercharts.
Eigentlich waren für 2012 nur 2 Sendungen geplant, aber aufgrund des großen Erfolgs gibt es in der Adventszeit nun eine „Best Of“ Sendung, mit den interessantesten Aspekten der beiden Sendungen, sowie einem Spezialteil mit Impressionen aus dem Yellowstone-Nationalpark in den USA.
Für 2013 sind jetzt fest 4 Sendungen geplant. Freuen Sie sich auf spannende Themen und Interessante Gäste. Bei der Sendung, bei der keine Hunde vorgeführt werden…
Die Redaktion und das Team von „Riepes Hundetalk“ wünscht eine schöne Adventszeit.
Im TV auf NRWISION u. a. am 5.12. um 17:05 Uhr; am 7.12. um 17:05 Uhr oder am Samstag, 8.121. um 18:30 Uhr.
Direkt zur „Best Of“ Sendung gelangen Sie, wenn Sie auf das Bild klicken: